Dass Übergewicht, gerade in hohem Ausmaß, diverse Folgeerkrankungen begünstigt und somit nicht gesund ist, ist unumstritten. Weitläufig wird heutzutage der BMI als Gradmesser hinzugezogen, um zu ermitteln, ob das eigene Körpergewicht im Rahmen liegt oder nicht. Tatsächlich kann der BMI aber nicht einbeziehen, wo und in welcher Form das Übergewicht angesiedelt ist. Das bedeutet, dass Menschen mit stark ausgeprägtem Muskelapparat ebenfalls einen hohen BMI aufweisen, ohne aber Fett einzulagern. Und es bedeutet auch, dass der BMI keine Aussage darüber machen kann, ob jemand vordergründig einen dicken Bauch hat oder sich die Fetteinlagerungen am ganzen Körper verteilen. Genau das ist nach heutigen Erkenntnissen jedoch wichtig, denn gerade das Bauchfett gilt als besonders gefährlich und risikoreich.

Gemeint sind nicht nur klassische Bierbäuche

Grundsätzlich lagert sich Körperfett bei Männern eher am Bauch an, während es bei Frauen zuerst an Po und Oberschenkeln eingelagert wird. Letztlich sind das aber die schon ausgeprägten Varianten, die man deutlich sieht. Daneben kann es sein, dass ein schlanker Mensch, der sich nie bewegt, mehr Bauchfett besitzt als ein Mensch mit Übergewicht (laut BMI), der regelmäßig viel Sport treibt. Eindeutige Auskunft darüber kann nur ein ärztlicher Bluttest erbringen. Als erstes Richtmaß kann aber auch die Messung des Bauchumfangs dienen. Das Maß wird dabei in Höhe des Bauchnabels angesetzt. Kritisch ist es bei Männern ab 102 cm und bei Frauen ab 88 cm. Optimal sollte er unter 94 bzw. 80 cm liegen.

Beim Bierbauch hat man ursprünglich einen Zusammenhang zum Hopfen gesehen, was heute nicht mehr als erwiesen gilt. Tatsächlich sorgt aber das Feierabendbier für zusätzliche Kalorien, genauso wie das Glas Rotwein oder den Schnaps nach dem Essen. Die Energiebilanz wird dadurch ins Ungleichgewicht gebracht und Fett lagert sich ein.

Zwei Arten von Fettgewebe

Warum genau ist denn nun aber das Fett am Bauch gefährlicher als anderswo? Dazu muss man zuerst einmal wissen, dass es in unserem Körper zwei Arten von Fettgewebe gibt, nämlich subkutanes und viszerales Fett. Subkutanes Fett ist das sogenannte Unterhautfettgewebe und von außen zum Beispiel an Po und Hüfte sichtbar. In mageren Zeiten dient es uns als Energiedepot, und es hält uns warm. Das subkutane Fett ist passiv.

Beim Viszeralfett dagegen handelt es sich um ein aktives Fett, denn es ist sehr stoffwechselaktiv. Es lagert sich um unsere Organe wie Leber und Darm an und bildet mehr als 200 verschiedene Botenstoffe. Dazu gehören welche, die sich auf den Blutdruck auswirken, Entzündungen auslösen oder die Insulin-Freisetzung begünstigen können.

Aus dieser Erkenntnis heraus geht die Medizin heute davon aus, dass ein Übermaß an Bauchfett Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck begünstigen können und somit in der Folge auch Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Auch ein erhöhtes Risiko von Krebserkrankungen wird auf die Ansammlung von Bauchfett zurückgeführt.

Nicht uninteressant ist die Erkenntnis, dass das Bauchfett auch Hormone ausschütten, die das Hungergefühl und die Nahrungsaufnahme regulieren. Es handelt sich dabei um Leptin und Adiponektin. Das Leptin sorgt normalerweise dafür, dass unser Gehirn das Gefühl “satt” gemeldet bekommt. Wird aber ständig und zu viel Leptin ausgeschüttet, wird unser Körper gegen diese Funktion resistent, und es tritt genau das Gegenteil ein: Wir verspüren keinerlei Sättigung mehr, sondern haben ständig Hunger.

Ähnlich ist es mit dem Adiponektin: Es wird bei gefüllten Fettzellen vermindert produziert. Ein niedriger Adiponektin-Spiegel führt zu einer niedrigeren Wirkung des Insulins, dass den Blutzuckerspiegel senken soll. Entsprechend steigt also bei ständig gefüllten Fettzellen das Risiko einer Diabetes-Erkrankung.

Im weiteren Verlauf kann dies zu weiteren Folgeerkrankungen führen: Insulin nimmt Einfluss auf den Fettstoffwechsel.  In der Folge einer herabgesetzten Insulinwirkung kann es also zu erhöhten Cholesterin- und Triglycerinspiegeln und sogar zu einer Fettleber kommen.

Auch für Herz, Arterien und Atemwege eine Gefahr

Durch die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe birgt das Bauchfett weitere Risiken. Chronische Entzündungen können beispielsweise an der Entstehung von Arteriosklerose beteiligt sein. Diese führt wiederum häufig zu Bluthochdruck und wiederum zu Infarkten oder Schlaganfällen.

Noch andere Botenstoffe hemmen die Fibrinolyse, womit die körpereigene Auflösung von Blutgerinnseln bezeichnet wird. Sie sorgt dafür, dass das Blut ausreichend flüssig bleibt. Wird dies verhindert, können sich gefährliche Blutgerinnsel bilden, die zu Thrombosen oder Embolien führen können.

Was ebenfalls oft unterschätzt wird, ist der Umstand, dass Bauchfett den Atemvorgang behindern kann. Menschen mit Übergewicht leiden daher häufig unter Kurzatmigkeit und machen kurze und schnelle Atemzüge. Das führt zu einer unvollständigen Füllung der Lungen. Zusammen mit den vom Bauchfett freigesetzten entzündungsfördernden Botenstoffe können auch Entzündungen in den Lungen bis hin zu asthmatischen Beschwerden verursacht werden.

Ein Großteil der hier aufgeführten Erkrankungen, die durch zu viel Bauchfett ausgelöst werden, gilt auch als Risikofaktor von Alzheimer. In neueren Studien wird das Bauchfett sogar nicht nur auf diese Weise indirekt, sondern auch als direkte Verbindung für ein steigendes Alzheimerrisiko genannt.

Wie entsteht Bauchfett

Nicht jeder übergewichtige Mensch lagert Bauchfett an. Untersuchungen haben mittlerweile gezeigt, dass die Kombination von kohlenhydratreicher Ernährung und mangelnder Zufuhr von essentiellen Aminosäuren die Entstehung von Bauchfett positiv beeinflusst.

Hinzu kommen erhöhte Cortisolwerte, die ebenfalls als begünstigend gelten. Dahinter können verschiedene Ursachen stecken wie zum Beispiel chronischer Stress, Bewegungsmangel oder die Medikation mit Cortison, das oft gegen entzündliche Krankheiten verabreicht wird.

Bauchfett wieder loswerden

Nach all diesen sehr erschreckenden Fakten ist es umso erfreulicher, dass sich das Bauchfett nicht nur schnell einlagert, sondern ähnlich schnell auch wieder abbauen lässt. Im Rahmen einer Diät baut der Körper das Bauchfett aufgrund der hohen Stoffwechselaktivität als erstes ab. Gerade auch Sport und Bewegung können dies stark unterstützen. Ein Mann kann so innerhalb einer Woche bis zu 120 Gramm Viszeralfett abbauen und damit circa einen Zentimeter Bauchumfang.

Am besten geeignet ist hier eine basenüberschüssige und gleichzeitig kalorienreduzierte Ernährung mit wenigen Kohlenhydraten, vielen hochwertigen Eiweißen und gesunden Fetten. Dazu Ausdauertraining, Bauchübungen und Muskelaufbautraining. Eine solche basenüberschüssige Ernährung ist entzündungshemmend und kann somit auch die entzündungsfördernden Eigenschaften des noch vorhandenen Bauchfetts ausgleichen.

 

 

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