Körpersignale: Wie ihr wieder lernt, auf sie zu achten

Im Alltag gibt es unzählige Gründe, warum wir essen, trinken, weitermachen oder uns ausruhen. Nicht immer hat das etwas damit zu tun, was unser Körper gerade tatsächlich braucht. Gerade beim Essen können äußere Reize und Gewohnheiten unsere eigene Wahrnehmung überlagern. Willkommen zu unserem neuen Blog „Wenn der Körper wieder zu Wort kommen darf: Körpersignale bewusst wahrnehmen“.

Unser Körper sendet ständig Signale

Hunger, Durst, Müdigkeit, Anspannung oder das Gefühl, genug gegessen zu haben: Unser Körper liefert uns laufend Informationen. Trotzdem nehmen wir diese Signale nicht immer bewusst wahr.

Der Grund dafür muss nicht mangelnde Aufmerksamkeit sein. Oft haben wir schlicht gelernt, über bestimmte Empfindungen hinwegzugehen. Ein voller Terminkalender lässt keine Zeit für eine Pause, der Arbeitstag bestimmt die nächste Mahlzeit und ein stressiger Tag endet vielleicht mit Essen auf der Couch.

Mit der Zeit kann dadurch der eigene Körper immer mehr in den Hintergrund geraten.

Essen, weil es gerade passt

Ein interessantes Beispiel ist das Essverhalten. Nicht selten entscheidet weniger der eigene Hunger darüber, wann gegessen wird, sondern die Situation.

Das Frühstück findet statt, weil der Tag beginnt. Mittags wird gegessen, weil die Pause ansteht. Nachmittags steht etwas Süßes auf dem Tisch und abends gehört eine gemeinsame Mahlzeit zur Routine.

Solche Strukturen sind nicht grundsätzlich problematisch. Regelmäßige Mahlzeiten können im Alltag sogar hilfreich sein. Interessant wird es vielmehr, wenn wir überhaupt nicht mehr überprüfen, ob wir gerade Hunger haben oder bereits satt sind.

Die Frage „Warum esse ich gerade?“ kann deshalb ein guter erster Schritt zu mehr Bewusstsein sein.

Hunger ist nicht immer gleich

Körperlicher Hunger kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Ein leerer oder knurrender Magen ist nur eine mögliche Wahrnehmung. Auch ein zunehmendes Hungergefühl, nachlassende Konzentration oder das Bedürfnis nach einer Mahlzeit können dazugehören.

Daneben gibt es Situationen, in denen Essen durch andere Auslöser angestoßen wird. Stress, Langeweile, Frust, Gewohnheit oder bestimmte Situationen können den Wunsch nach Essen verstärken.

Das bedeutet nicht, dass emotionales Essen grundsätzlich falsch ist. Essen ist schließlich nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern kann auch Genuss, Trost und soziale Verbindung bedeuten.

Hilfreich kann es aber sein, den Unterschied überhaupt wahrzunehmen.

Die eigenen Essgewohnheiten beobachten

Du kannst Deine Wahrnehmung trainieren, ohne sofort etwas an Deinem Essverhalten verändern zu müssen.

Beobachte beispielsweise einige Tage lang:

  • Wann bekommst Du Hunger?
  • Wie stark ist Dein Hungergefühl vor einer Mahlzeit?
  • Wie schnell isst Du?
  • Wann bemerkst Du erste Anzeichen von Sättigung?
  • In welchen Situationen hast Du besonders häufig Appetit?
  • Wie fühlst Du Dich nach dem Essen?
  • Gibt es Situationen, in denen Du automatisch zu bestimmten Lebensmitteln greifst?

Es geht dabei nicht darum, Kalorien zu zählen oder jede Mahlzeit zu bewerten. Ziel ist zunächst lediglich, Muster zu erkennen.

Aufmerksamkeit verändert das Essen

Wie wir essen, kann einen Einfluss darauf haben, wie bewusst wir Hunger und Sättigung wahrnehmen.

Wer während des Essens ständig auf einen Bildschirm schaut, nebenbei arbeitet oder sehr schnell isst, richtet seine Aufmerksamkeit weniger auf die Mahlzeit und die eigenen Empfindungen.

Eine einfache Veränderung kann deshalb sein, zumindest gelegentlich ohne Ablenkung zu essen.

Setze Dich hin, nimm Dir Zeit und achte darauf, wie sich Geschmack, Hunger und Sättigung entwickeln. Du musst dafür nicht jede Mahlzeit zu einem Achtsamkeitsritual machen. Schon gelegentliche bewusste Mahlzeiten können helfen, die eigene Wahrnehmung wieder stärker einzubeziehen.

Auch Stress kann die Körperwahrnehmung beeinflussen

Wenn wir dauerhaft unter Druck stehen, konzentriert sich unsere Aufmerksamkeit häufig auf das, was als Nächstes erledigt werden muss.

Die eigene Müdigkeit wird ignoriert, Pausen werden verschoben und Essen wird nebenbei erledigt. Dadurch entsteht schnell ein Alltag, in dem wir funktionieren, aber kaum noch wahrnehmen, wie es uns eigentlich geht.

Regelmäßige Unterbrechungen können hier einen wichtigen Gegenpol bilden.

Eine kurze Pause ohne Smartphone, ein Spaziergang oder einige Minuten Ruhe können bereits ausreichen, um wieder bewusster mit dem eigenen Körper in Kontakt zu kommen.

Körpersignale sind keine Verbote

Auf den Körper zu hören bedeutet nicht, dass Du jedem Appetit sofort nachgeben musst. Ebenso wenig bedeutet es, dass Du bestimmte Lebensmittel grundsätzlich vermeiden musst.

Körperwahrnehmung ist keine neue Diätregel.

Vielmehr geht es darum, Informationen zu sammeln und Zusammenhänge besser zu verstehen. Du kannst beispielsweise feststellen, dass Du nach einer bestimmten Mahlzeit besonders lange satt bist oder dass Dir eine bestimmte Essenssituation nicht guttut.

Diese Beobachtungen können Dir helfen, Deine Gewohnheiten langfristig bewusster zu gestalten.

Ein Tagebuch kann den Anfang erleichtern

Wenn es Dir schwerfällt, Deine Körpersignale im Alltag wahrzunehmen, kann ein einfaches Tagebuch hilfreich sein.

Du kannst darin nicht nur Mahlzeiten festhalten, sondern auch Hunger, Sättigung, Stimmung und besondere Situationen. Nach einigen Tagen oder Wochen können sich dadurch wiederkehrende Muster zeigen.

Wichtig ist, dass dieses Tagebuch nicht zu einem Kontrollinstrument wird. Es soll Dich nicht unter Druck setzen, sondern Dir helfen, Dich selbst besser kennenzulernen.

Gib Dir Zeit

Wenn Du lange nach festen Regeln, Gewohnheiten oder äußeren Vorgaben gegessen hast, wird sich Deine Körperwahrnehmung nicht von heute auf morgen verändern.

Beginne deshalb klein.

Vielleicht nimmst Du Dir einmal am Tag bewusst Zeit für eine Mahlzeit. Vielleicht hältst Du vor dem Essen kurz inne und fragst Dich, wie hungrig Du tatsächlich bist. Oder Du beobachtest abends, wie sich Dein Körper nach dem Tag anfühlt.

Es gibt dabei kein perfektes Ergebnis.

Entscheidend ist, dass Du wieder anfängst, Deinen eigenen Körper wahrzunehmen.

Wenn Körpersignale auf etwas anderes hinweisen

Nicht jedes körperliche Signal lässt sich durch Ernährung oder den eigenen Lebensstil erklären. Anhaltende Müdigkeit, Schmerzen, Verdauungsbeschwerden oder andere Veränderungen sollten deshalb nicht einfach ignoriert werden.

Wenn Beschwerden neu auftreten, länger anhalten oder Dich beunruhigen, ist es sinnvoll, sie medizinisch abklären zu lassen.

Auf den eigenen Körper zu hören bedeutet nämlich auch, seine Warnsignale ernst zu nehmen.

Mehr Aufmerksamkeit für Dich selbst

Die Verbindung zum eigenen Körper kann im hektischen Alltag leicht verloren gehen. Sie lässt sich aber wieder stärken.

Es braucht dafür weder eine komplizierte Methode noch eine perfekte Tagesroutine. Kleine Momente der Aufmerksamkeit reichen für den Anfang völlig aus.

Frage Dich öfter, was Dein Körper gerade braucht. Nimm Hunger und Sättigung bewusster wahr. Erlaube Dir Pausen und beobachte Deine Gewohnheiten, ohne Dich dafür zu verurteilen.

So kann aus einem ersten bewussten Moment nach und nach ein natürlicherer Umgang mit den eigenen Körpersignalen entstehen.

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Bilder: Canva.com