Allgemeinmediziner sind ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Adipositastherapie

 Viele Allgemeinmediziner beklagen sich über immer höhere Belastungen und immer weniger Geld. Auch die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen scheinen dieser Entwicklung nicht entgegenzuwirken.

Dennoch wäre es meiner Ansicht nach zu kurz gedacht, die Hausärzte – trotz dieser zugegebenermaßen misslichen Lage – aus der Verantwortung zu entlassen. Meist sind sie es selbst, die die schleichende aber sich kontinuierlich entwickelnde Adipositaserkrankung bei ihrem Patienten miterleben. Sie sollten als erste medizinische Anlaufstelle versuchen, dieser negativen Entwicklung zu begegnen. Leider sieht die Praxis auch heutzutage häufig anders aus:

Immer wieder treffen wir Adipositaspatienten auf Unverständnis für unsere Situation. Oft macht der Hausarzt ausschließlich eine gewisse Bequemlichkeit oder Disziplinlosigkeit für das ständig steigende Gewicht verantwortlich. Zu selten wird nach den wirklichen Ursachen geforscht, welche die Entwicklung und den Fortschritt dieser Erkrankung bewirken.

Dabei weisen mittlerweile viele unterschiedliche medizinische Fachgesellschaften darauf hin, dass Adipositas sehr viele unterschiedliche Ursachen haben kann. Dass es einer sehr ausführlichen Diagnostik bedarf, die individuellen Ursachen eines Patienten zu diagnostizieren. Ich würde mir wünschen, dass dies auch in breiten Teilen der Allgemeinmedizin verstanden wird. Vor allem, dass die Hausärzte auch aktiver und in Eigeninitiative die vielfältigen Informations- und Fachangebote von Verbänden, Zentren und Fachgesellschaften annehmen und sich über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Adipositastherapie informieren.

Sicher, das kostet Zeit aber unter Berücksichtigung der Tatsache, dass fast jeder zweite Patient der eine Hausarztpraxis besucht zu viel Gewicht auf die Waage bringt, ist es meiner Ansicht nach die Pflicht in der hausärztlichen Praxis, den betroffenen Patient, schnelle und wirkungsvolle Therapieoptionen zur Verfügung zu stellen. Oder diese wenigstens zu vermitteln, wenn er dazu nicht selbst bereit oder fähig ist. Gelingen kann dies durch die zeitnahe Überweisung zu einem Endokrinologen, Ernährungsmediziner oder einem Adipositaszentrum.

Immer wieder berichten mir Patienten mit einem BMI über 50, dass sie trotz ihrer enormen Leidenssymptomatik erst dann Hilfe bekamen, wenn sie den Hausarzt gewechselt, oder selbst die Hilfe eines Zentrums gesucht haben. Hier ist meiner Meinung nach der behandelnde Arzt seiner Verantwortung nicht gerecht geworden.

Respekt habe ich vor Medizinern, die trotz voller Wartezimmer und schmaleren Budgetierungen vonseiten der Kassen, ihrer Verantwortung gerecht werden und sich intensiv mit der Situation von uns Adipositaspatienten beschäftigen, gemeinsam zielführende und wirkungsvolle Therapiestrategien entwickeln, sowie bei der Umsetzung helfen. Ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft immer mehr Hausärzte gibt, die verstehen, dass sie ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Adipositastherapie sind und nicht nur „Zuschauer”!

Faris Abu-Naaj – Redakteur von Adipositas Kliniken.

Bild: Header: pixabay.com

Autorenbild: Frank Adelhardt

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