Seit mehr als 40 Jahren sind Mediziner bemüht, mithilfe chirurgischer Eingriffe die Gewichtssituation von betroffenen Patienten nachhaltig zu verbessern. Komplikationsreiche und wenig wirksame OP-Methoden weichen neuen Verfahren, die sowohl in der Wirksamkeit als auch in der Belastung für die Patienten, eine deutliche Verbesserung erbringen. Auch langjährig etablierte Verfahren, wie der Magenbypass, erfuhren immer weitere Optimierungen und Veränderungen. Dennoch bestätigen mir immer wieder Chirurgen im In- und Ausland die Annahme, dass viele Wirkmechanismen noch nicht vollständig oder gar nicht erforscht sind, die für den Gewichtsverlust und die Randomisierung unterschiedlichster Begleiterkrankungen verantwortlich sind.

Die Adipositaschirurgie funktioniert, aber es bedarf noch sehr viel Forschungs- und Studienarbeit, bis vollständig verstanden wird, welche veränderten Prozesse und Mechanismen, für welchen positiven Effekt verantwortlich sind.

Sicher, eine Feststellung die nicht vollständig befriedigen ist, die aber aufgrund der hohen Wirksamkeit der Chirurgie akzeptabel erscheint.

Viele bereits betroffene Patienten werden mir recht geben, bei der Feststellung, dass die Operation für viele Adipositaspatienten die sinnvolle und wirkungsvolle Therapieoption war und dass sie die Tür in ein neues, leichteres und gesünderes Leben öffnete.

In diesem Zusammenhang verwundern mich nur die Aussagen einzelner Zentren oder Mediziner, die sich dazu hinreißen lassen, ihren Patienten vermeidlich verlässliche Zusagen zu machen, die den genauen Therapieverlauf und den Therapieerfolg prognostizieren.

Auch wenn ich kein Mediziner bin, so zeigt mir doch der tägliche Umgang mit operierten Patienten, dass solche Aussagen nicht wirklich verlässlich sein können. Mehr als das halte ich solche Zusagen für nicht seriös.

Zu unterschiedlich sind die einzelnen Verläufe nach einem bariatrischen Eingriff und zu unterschiedlich wird auf unbefriedigende oder negative Therapieverläufe vonseiten der Medizin aber auch vonseiten der Patienten reagiert.

Wenn Kliniken auf ihren Internetseiten feste Gewichtsverluste prognostizieren, oder die Randomisierung unterschiedlichster Begleiterkrankungen versprechen, so leisten sie damit weder ihrem Patienten, noch der Medizin einen guten Dienst.

Vielmehr sollte die individuelle Patientensituation in dieser Betrachtungsweise starke Berücksichtigung finden. Dies hat zur Folge, dass solche Aussagen eher gar nicht oder zumindest zurückhaltend getroffen werden. Die objektive Schilderung unterschiedlicher Therapie- und Gewichtsverläufe scheint mir hier eher angesagt.

Nur mit Ehrlichkeit und Transparenz wird es gelingen, Patienten das breite Spannungsfeld zwischen positivem und negativem Therapieverlauf zu vermitteln und auf die unbedingte Notwendigkeit der lebenslangen Nachsorge zu verweisen.

Faris Abu-Naaj – Redakteur von Adipositas Kliniken.

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