Adipositas betrifft hierzulande schätzungsweise 13 Millionen Menschen und wird im Alltag dennoch häufig unterschätzt. Die chronische Stoffwechselerkrankung geht weit über ein paar überschüssige Kilos hinaus und belastet den gesamten Organismus dauerhaft. Entgegen weitverbreiteter Vorurteile ist mangelnde Disziplin keineswegs die Hauptursache für das schwere Übergewicht. Willkommen zu unserem Blog „Genetische Veranlagung: Ist Adipositas angeboren?“

Forschende betonen vielmehr, dass genetische Faktoren eine gewichtige Rolle spielen und etwa die Hälfte aller Fälle von Adipositas auf vererbbare Ursachen zurückgehen. Das Risiko, an krankhaftem Übergewicht zu erkranken, ist somit teilweise buchstäblich angeboren.
Wie gestörte Stoffwechselprozesse das Essverhalten lenken
In der Öffentlichkeit hält sich hartnäckig der Irrglaube, Betroffene müssten sich lediglich zusammenreißen und weniger essen. Adipositasexpertinnen und -experten erklären jedoch, dass gestörte Fettstoffwechselvorgänge das natürliche Sättigungsgefühl massiv beeinträchtigen. Infolgedessen können sich Betroffene gegen ihren konstanten Appetit kaum noch zur Wehr setzen. Häufig wird dies von sogenanntem „Food Noise“ begleitet – permanenten Gedanken an Nahrung, die das alltägliche Essverhalten unbewusst steuern. Niemand sucht sich eine solche chronische Erkrankung freiwillig aus.
Das Zusammenspiel von Genen und Einzelfaktoren
In den allermeisten Fällen entsteht die Veranlagung durch das Zusammenwirken von Veränderungen in gleich mehreren Genen. Deutlich seltener, nämlich in weniger als einem Prozent der Diagnosen, ist ein einzelner genetischer Defekt wie am Leptin-Gen der Auslöser. Dieser führt oft schon in jungen Jahren zu einem unstillbaren Hungergefühl. Dennoch gilt: Mit jedem zusätzlichen Kilogramm steigt die Gefahr für schwerwiegende Folgeerkrankungen rasant an.

Massive Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit
Krankhaftes Übergewicht beeinträchtigt fast den gesamten Körper und bringt ein erhöhtes Risiko für mehr als 200 verschiedene Folgeerkrankungen mit sich. Die überschüssigen Fettreserven belasten den Stoffwechsel und unterhalten permanente Entzündungsprozesse, was unter anderem Typ-2-Diabetes und hormonelle Dysbalancen begünstigt. Zugleich wirkt das zusätzliche Gewicht wie eine dauerhafte mechanische Last auf Gelenke, Wirbelsäule und die Lungenfunktion. Etwa neun von zehn Patientinnen und Patienten kämpfen im Laufe ihres Lebens mit mindestens einer solchen Begleiterkrankung.
Moderne Ansätze zur Vorbeugung und Therapie
Wer trotz eigener Anstrengungen kontinuierlich an Gewicht zunimmt oder nach erfolgreichen Diäten immer wieder dem Jojo-Effekt ausgesetzt ist, sollte dies fachärztlich abklären lassen. Ein ausgewogener Lebensstil mit nährstoffreicher Kost und Bewegung bildet zwar eine wichtige Basis, greift bei einer genetisch begünstigten Stoffwechselstörung allein jedoch zu kurz. Für die moderne Behandlung stehen neben Ernährungs- und Bewegungstherapien sowie psychologischer Begleitung auch innovative medizinische Optionen wie spezielle Wirkstoffe zur Verfügung.
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Bilder: Canva.com