Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, aber ich hatte früher häufig das Problem, dass ich aus lauter Langeweile gegessen habe. Schön geredete Langeweile, denn es ist und war auch nie so, dass ich nichts zu tun gehabt hätte. Aber zu der gefühlten Langeweile vor dem Fernseher, am Computer oder im Garten kam dann die typische Gewohnheitsfalle. Es stand einfach immer eine Schale mit irgendwelchen Leckereien herum, und wenn es gerade passte, hab ich da halt hineingegriffen. Es passte nur leider viel zu oft. Nachdem ich irgendwann selbstehrlich genug war, das einzusehen, habe ich das genauer beobachtet und festgestellt, dass ich – wenn ich beschäftigt oder auch abgelenkt bin – nicht das Bedürfnis nach Essen habe, sofern denn auch nichts gerade rumsteht, was mich geradezu anlacht.

Erste Konsequenz: Aus dem Sichtfeld damit

Meine erste Amtshandlung war es, diese Schalen und Schüsseln konsequent wegzustellen und vor allem erst gar nicht aufzufüllen. Das war ein paar wenige Tage ungewohnt, länger aber auch nicht. Im Gegenteil: Auf dem Esstisch stand plötzlich ein schöner Blumenstrauß anstelle der Süßigkeitenschüssel, das war durchaus ein guter Tausch. Das „mal eben“ Hineingreifen im Vorbeigehen hatte sich damit schnell erledigt. Was blieb, waren die Momente vor dem Fernseher, die Stunden im Büro, das gemütliche Sitzen im Garten. Ich gebe zu, das hat deutlich länger gedauert. Es geht ja schließlich auch nicht immer nur um mich, es hat mir einfach Spaß gemacht, für meine Familie irgendwelche kleinen Leckereien bereitzustellen. Nicht nur dass: Meine Familie war daran natürlich ebenso gewöhnt und wollte sich das nicht ansatzweise so konsequent abgewöhnen. Es war aber ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Für Ablenkung sorgen

Gerade mit dem Naschen ist es eigentlich ähnlich wie mit dem Rauchen. Es geht nicht darum, dass der Körper etwas wirklich braucht, sondern darum, dass der Kopf an etwas gewöhnt ist. Sich diese Gewohnheiten abzutrainieren, ist nicht ganz einfach. Mir persönlich ist vor dem Fernseher zum Beispiel wirklich oft langweilig, solange ich nichts in den Händen habe. Mir fiel damals nichts besseres ein, als nach vielen Jahren die Stricknadeln wieder hervorzuholen … Das ist kein Patentrezept, aber mir hat es damals ein paar dicke Schals für den Winter und das ein oder andere Kilo weniger beschert. Meine Hände waren beschäftigt, meine Augen sowieso, und ich habe nicht einmal mehr daran gedacht, dass ich beim Fernsehen auch noch naschen könnte.

Am Computer fiel mir das schon schwerer. Ich spreche nicht davon, wenn ich meiner Arbeit nachgehe, da hat es eher mit Nervennahrung als mit Langeweile zu tun. Aber wenn ich zum Beispiel Fotos archiviert habe oder ähnliches, dann war ich nicht unter Zeitdruck. Hier war es pure Disziplin, mir einfach nichts Süßes in Reichweite zu stellen.

Harte Zeiten im Winter

Im Garten im Sommer gab es statt Süßigkeiten ab sofort Obst, das war ebenfalls lecker und eine leichte Umgewöhnung. Aber es kam der Winter. Nichts mehr mit gemütlich draußen sitzen, keine spontanen Spaziergänge oder lange Abende im Freien. So ein dunkler Winterabend kann schon mächtig lang werden, so ganz ohne Knabberkram. Vor allem, wenn ich alleine war, hab ich das extrem gespürt. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es auch hier wirklich wieder nur an der fehlenden Ablenkung lag. Wann immer ich mich beschäftige, rückt das Bedürfnis, etwas zu essen, deutlich in den Hintergrund. Seitdem versuche ich, immer für Ablenkung zu sorgen. Ein Buch oder eine Zeitschrift ist immer in Reichweite. Ich habe angefangen, mit meinen Kindern wieder mehr zu basteln oder zu spielen. Das ganze hatte also auch positive Nebeneffekte.

Sorge für ein ausfüllendes Hobby

Wenn Du diese Problematik auch kennst, solltest Du Dir schnellstmöglich ein Hobby zulegen, das Dich ausfüllt und Dir Spaß macht. Es gibt nichts Blöderes, als aus Langeweile zu essen, oder? Zumindest nicht, wenn man ein Gewichtsproblem hat und sich für ein gesünderes Leben entschieden hat. Es gibt so viele tolle Hobbys, und Du glaubst gar nicht, wie viel Zeit Du dafür erübrigen kannst, wenn Du Dich erst einmal dazu aufraffst! Das bedingt aber natürlich, dass es wirklich etwas ist, woran Dir liegt. Einen Zwang mit einem anderen zu bekämpfen, wäre der falsche Weg. Falls Du jetzt an die Kosten denkst: Nicht jedes Hobby muss Geld kosten, umgekehrt sparst Du aber auch einiges, indem Du auf den ständigen Vorrat an Knabberkram verzichtest. Pack jede Woche das Geld, das sonst in Schokolade, Weingummi oder Salzgebäck gewandert ist, in einen Spartopf – schon nach kurzer Zeit hast Du, falls nötig, einen ersten Grundstock für ein paar neue Bücher, den Sportverein, eine kleine Digitalkamera oder ähnliches.

Mögliche Varianten

Wenn Du Sport zu Deinem neuen Hobby erklärst, schlägst Du natürlich zwei Fliegen mit einer Klappe, keine Frage. Du unterstützt Deinen Abnehmerfolg dann auch noch durch die fehlende Bewegung – perfekt! Aber das ist nicht unbedingt ein Muss, wenn auch empfehlenswert. Es gibt aber auch sinnvolle Alternativen. Ich habe zum Beispiel irgendwann meinen Spaß am Fotografieren entdeckt. Eine kleine Digitalkamera ist heute gar nicht mehr teuer, es muss ja nicht gleich eine Profi-Ausstattung sein. Wann immer ich merke, dass mir langweilig wird oder das Wetter draußen schön ist oder aber ich Ablenkung brauche, schnappe ich mir meine Kamera und fahre los. Mal mit dem Auto, mal mit dem Rad, oft auch zu Fuß – je nachdem, was sich gerade anbietet. Ich habe dadurch meinen Heimatort ganz neu kennengelernt, weil ich an Ecken gelangt bin, an die es mich zuvor nie gezogen hat. Das Archivieren und Katalogisieren der Fotos am Computer ist eine schöne Beschäftigung für kalte Tage.

Eine gute Freundin von mir, die mit der Fotografie nicht so viel anfangen kann, hat angefangen zu nähen und darin eine ungeahnte Leidenschaft entdeckt. Inzwischen fotografiere ich ihre genähten Kunstwerke, damit sie sie später online verkaufen kann.

Alternativen

Es geht also nicht nur darum, sich vom Essen abzulenken, auch wenn das der Anlass sein kann. Die „Nebenwirkungen“ sind hier entscheidend, denn ich bin inzwischen viel ausgeglichener als früher. Sich mit etwas zu beschäftigen, was einem liegt und Spaß macht, ist einfach toll und gibt ein gutes Selbstwertgefühl. Ob Du nun Sport treibst, Geschichten schreibst, malst oder im Garten rackerst, ist ganz egal – wichtig ist, dass Essen zur Nebensache wird. Beschäftige Dich stattdessen mit kreativen Dingen, das tut auch der Seele gut. Und im besten Fall findest Du darüber Gleichgesinnte und neue Freunde, mit denen Du dieses Hobby teilen kannst.

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