Der menschliche Körper ist ein wahres Wunderwerk, in dem jedes einzelne Organ spezielle Aufgaben übernimmt. Gerade unser Magen bringt dabei täglich eine ungeheure Leistung auf. Gleichzeitig reagiert er sehr sensibel und zeigt uns so oft, dass wir ihm und damit auch uns möglicherweise nicht gut tun. Nicht umsonst sind Redensarten wie „das schlägt mir auf den Magen“ fest im Sprachgebrauch verankert. Er deutet durch Sodbrennen, Völlegefühl, Übelkeit oder im schlimmsten Fall Schmerzen an, dass fette Ernährung, Giftstoffe wie Nikotin oder Alkohol oder auch psychische Überbelastungen seine Funktion negativ beeinträchtigen. Daher kann es nicht schaden, sich einmal wieder genau bewusst zu machen, wie unser Magen eigentlich genau funktioniert.

Der anatomische Aufbau

Etwas fachlich und trocken aber zum Verständnis wichtig ist die Betrachtung des physischen Aufbaus dieses Hochleistungsorgans. Positioniert ist der Magen im oberen Bauchbereich, leicht nach links ausgerichtet. Größe und Form sind flexibel und werden von Füllgrad, der Körpergröße und unserem Alter beeinflusst. Als Durchschnittswert bei einer normalen Füllung kann man von einer Länge zwischen 20 und 30 Zentimetern und einem Inhalt von circa 1,5 Litern ausgehen, um mal einen Richtwert zu nennen.

Er besteht aus mehreren Abschnitten. Der so genannte Magenmund bildet die Eintrittstelle  unserer Speiseröhre in den Magen. Dann folgen zuerst der Magengrund und anschließend der Magenkörper, der sich als dehnbarer Muskelsack darstellt. In den Zwölffingerdarm führt am Ende der Magenausgang. Der Magen besitzt eine besonders dicke Schleimhaut, die die gesamte Magenoberfläche bedeckt und mit zahlreichen Drüsen versehen ist.

Hauptaufgabe des Magens

Die vorübergehende Speicherung der Nahrung ist die Hauptaufgabe des Magens. Danach gibt er sie in kleinen Mengen gleichmäßig an den Darm weiter, wo die weitere Verdauung stattfindet. Nur durch diese Funktion ist es uns möglich, unseren Bedarf an Nahrung durch einzelne größere Mahlzeiten zu decken. Ohne ihn müssten wir die gleiche Menge auf sehr viele winzige Einzelmengen aufteilen.

Der Speisebrei bleibt für eine gewisse Zeit im Magen, wo er durch dessen Muskelbewegungen vermischt wird. Leicht verdauliche Nahrungsmittel verbleiben etwa ein bis zwei Stunden im Magen, schwerere und fetthaltigere Nahrung bis zu acht Stunden. Diese Muskelkontraktionen, die der Vermischung dienen, äußern sich teilweise in glucksenden Geräuschen oder dem typischen Magenknurren. Dreimal in jeder Minute erzeugen die Muskeln wellenförmige Bewegungen, die die Nahrung weiterschiebt.

Beginn des Verdauungsprozesses

Die Magenwand beherbergt so genannte Belegzellen, die Salzsäure produzieren. Mit ihrer Hilfe wird der pH-Wert des Speisebreis auf einen Wert von 2-3 gesenkt, was auch dazu führt, dass die meisten enthaltenen Bakterien abgetötet werden. Der Magen selbst wird dabei von den Nebenzellen gesichert, die eine Schleimschicht über die Schleimhaut zieht und so das Organ vor der Salzsäure schützt. Zudem verfügt die Magenwand über ein sehr hohes Regenerationspotential, indem sich die Zellen häufig erneuern. Auch die besonders gute Durchblutung des Gewebes unterstützt die Schutzwirkung.

Nach der Speicherung und der Desinfizierung beginnt im Magen auch bereits der Verdauungsprozess. In den Hauptzellen wird ein Enzym namens Pepsin gebildet. Dieses spaltet die Eiweiße aus der Nahrung in verdaubare Teile. Fette und Kohlenhydrate werden nicht geteilt, sondern verlassen den Magen so gut wie unverändert.

Der Magensaft

Im Magen werden täglich rund zweieinhalb Liter Salzsäure und Pepsin gebildet, in dieser Kombination auch Magensaft genannt. Dies beginnt zum Teil bereits vor der Nahrungsaufnahme, zum Beispiel durch den Geruch oder den Anblick von Essen. Dies nennen Mediziner die vagale Phase. Der Prozess beginnt jedoch spätestens, sobald die Nahrung im Magen mit der Schleimhaut in Kontakt kommt. Verstärkt wird dieser Prozess aufgrund der Dehnung des Magengrundes und der angedauten Eiweiße. Giftstoffe wie Alkohol, Nikotin oder Koffein sowie Nahrung, die stark gewürzt ist, erhöhen die Menge der Magensäure. Die Produktion wird wieder verringert, sobald die Nahrung in den Dünndarm gelangt.

Wann dies geschieht entscheidet der Pförtner, das ist der Schließmuskel zwischen Magen und Zwölffingerdarm. Hier gelangen nur milimeterkleine Stücke des Nahrungsbreis hindurch. Alles andere verbleibt im Magen bis es noch weiter zerkleinert ist.

Ein paar Zahlen machen deutlich, dass dieser Vorgang keine Kleinigkeit ist: Es sitzen rund 35 Millionen Drüsen in unserer Magenschleimhaut, die pro Jahr circa 1.000 Liter Magensäure produzieren und in Zusammenarbeit mit den Muskelbewegungen ungefähr eine Tonne Nahrung zu Speisebrei verarbeitet, der dann angedaut im Darm landet.

Wann bekommen wir Hunger?

Unser Hungergefühl wird durch ein Hormon namens Ghrelin gesteuert. Je leerer der Füllstand unseres Magens, desto mehr Ghrelin wird ausgeschüttet. Genau da kann unter Umständen auch das Problem von übergewichtigen Patienten liegen, die über ein nicht vorhandenes Sättigungsgefühl klagen. Ist der Ghrelin-Spiegel gestört und chronisch erhöht, so bleibt ein permanentes Hungergefühl bestehen, auch wenn der Füllstand des Magens hoch ist und man eigentlich satt ist.

Ein sehr sensibles Organ

Wir kennen das selbst: Wenn wir ohnehin schon sehr ausgelastet sind, dann kann jeder zusätzliche Stressfaktor uns sehr unter Stress setzen. Dem Magen geht es da verständlicherweise nicht anders, denn angesichts der eben genannten Zahlen ist er immer ausgelastet. Umso sensibler reagiert er auf fetthaltige Speisen, Alkohol, Nikotin oder Stress. Die Magensäureproduktion wird noch zusätzlich verstärkt, die Muskeln verkrampfen oder versagen sogar ganz ihren Dienst. Wir spüren das in Form von unangenehmem Sodbrennen, Magenkrämpfen, einem verstärkten Völlegefühl oder Übelkeit. Das kann ab und zu passieren, doch sobald es zur Regelmäßigkeit wird, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Untersuchung des Magens

Um verlässlich zu klären, ob der Magen geschädigt ist, erfolgt in der Regel eine Magenspiegelung, die Gastroskopie. Damit können Entzündungen der Magenschleimhaut, Geschwüre oder Tumore erkannt werden. Häufigste Ursache aller Magenerkrankungen ist das Bakterium Heliobacter pylori.

Auch häufig auftretendes Sodbrennen ist nicht zu unterschätzen. Abgesehen davon, dass es unangenehm ist, kann es ein Sympton der Refluxkrankheit sein. Diese wiederum kann im schlimmsten Fall Speiseröhrenkrebs begünstigen.

So kannst Du Magenproblemen vorbeugen

Du kannst einiges tun, um dafür zu sorgen, dass es Deinem Magen gut geht und er nicht über die Maßen belastet ist. Eine ausgewogene Ernährung bildet dafür die Grundlage. Auch der Verzicht auf Giftstoffe, also Alkohol und Nikotin, hilft deutlich. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Du Dich regelmäßig bewegst. Das muss nicht gleich Hochleistungssport sein, Radfahren oder längere Spaziergänge sind schon absolut ausreichend, um dem Magen Entlastung zu verschaffen.

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