Welcher Typ bist Du?

Bei der Unterscheidung verschiedener Arten oder Typen von Übergewicht gibt es sehr unterschiedliche Ansätze. Ich werde versuchen, mit der Zeit alle im Einzelnen einmal näher zu erläutern. Beginnen möchte ich jedoch mit dem Ansatz, den ich persönlich am griffigsten finde, und der mir durchaus geholfen hat, zu erkennen, wo meine Problematik liegt. Und wie bei so vielem ist es auch beim Abnehmen in meinen Augen so: Nur wenn man das Problem erkennt, kann man auch dagegen vorgehen. Darum hoffe ich, dass auch Du diese Variante nachvollziehbar findest und sie Dir hilft, den für Dich richtigen Weg darin zu finden.

Der Ansatz dieser Theorie

Wie man an das Thema auch herangeht, eines bleibt Fakt: Übergewicht entsteht pauschal dann, wenn dem Körper mehr Kalorien zugeführt werden, als er verbraucht. Daran kann und will auch dieser Ansatz nicht vorbeisehen. Hier geht es aber vielmehr um die Vorstufe, also um die Frage, warum dieses Verhältnis unausgewogen ist und zu viele Kalorien aufgenommen werden. Ausgeschlossen wird dabei eine rein körperlich bedingte Zunahme, wie sie beispielsweise durch bestimmte Medikamente oder Funktionsstörungen entstehen kann. Es geht hier vielmehr um mental bedingt entstehendes Übergewicht.

Fehlende Motivation

Wenn es einem an der nötigen Willenskraft mangelt, um abzunehmen, ist das einer der hier beschriebenen Typen. Damit ist gemeint, dass Du einfach sehr gern isst und Leckereien jeglicher Art sehr genießt, gleichzeitig aber antriebslos bist, wenn es darum geht, Dich körperlich aktiv zu bewegen. Das ist gleichzeitig die vermutlich am häufigsten vorkommende Art des Übergewichts. Das passiert auch weniger in bestimmten Phasen, sondern schleichend und langfristig. Es ist ein bestimmter Lebensstil, der mit viel Genuss, viel Entspannung oder einfach häufig sitzender Tätigkeit einhergeht. Das Gewicht nimmt über die Jahre immer mehr zu. Stellt man es irgendwann bewusst fest, ist der Lebensstil schon derart verinnerlicht, dass es schwer fällt, daraus auszubrechen, weil es dann auf der einen Seite mit viel Verzicht und auf der anderen mit ungewohnter Anstrengung zu tun hat. Dennoch ist gleichzeitig die Chance gut, etwas daran zu ändern. Es ist schlicht eine Kopfsache. Schafft der Betroffene es, sich selbst von dem starken Wunsch, etwas zu verändern, zu überzeugen, so ist es möglich, da keine äußeren Umstände zwingend störend einwirken.

Emotionsgeladene Ernährungsweise

Was im ersten Moment kompliziert klingt, ist eigentlich ganz simpel und auch Dir sicher in der einen oder anderen Form bekannt. Denk einfach mal zurück an Deine Kindheit oder überlege, wie Du eventuell selbst mit Deinen Kindern umgehst. Kennst Du die Situation, dass ein Kind, das sich weh getan hat oder traurig ist, zum Trost etwas zum Naschen bekommt? Das ist eine beispielhafte Situation für diesen Typ von Übergewicht. Ein weiteres Beispiel ist, dass jemand in der Kindheit „gelernt“ hat, dass ihm beim Essen die meiste Zuwendung zuteilwurde. Das kann zum Beispiel sein, wenn der Vater selten zuhause ist, sich aber beim gemeinsamen Essen mit der Familie gefühlt immer Zeit für das Kind genommen hat. Das ist aus logischer Sicht nicht ganz nachvollziehbar, prägt einen Menschen in jungen Jahren aber durchaus. Daraus entsteht dann eine emotionale Verbindung: Essen bedeutet Aufmerksamkeit oder eben Essen steht für Trost. Unser Unterbewusstsein speichert derartige Verbindungen fest ab. Im Erwachsenenalter führt das unter Umständen dazu, dass man selbst sich mit Essen Trost oder Aufmerksamkeit schenken möchte.

Das hier sind nur kleine Beispiele, die in der Realität weit gespannt und oft noch viel komplexer sind.

Stressbedingtes Essen

Hier ist es nahezu umgekehrt: Die Theorie klingt einfach, ist aber im Detail etwas komplizierter, zumindest aus medizinischer Sicht. Es geht hier um das Hormon Cortisol. Wenn Du Stress empfindest – egal ob körperlich oder geistig (dazu zählen auch Wut oder Sorgen) – fordert Dein Körper mehr Energie, im speziellen das Gehirn. In solchen Situationen steigt der Cortisol-Wert. Dieses Hormon ruft zum einen die zusätzlich verlangte Energie aus den Fettreserven Deines Körpers ab, und zum anderen hat es eine zügelnde Wirkung auf Dein Immunsystem.

Dieser Vorgang kann in zwei verschiedenen Varianten vorkommen.

  1. Die Stressphase hält an und zieht sich über einen längeren Zeitraum. Der Cortisol-Wert bleibt konsequent auf hohem Niveau. Somit zieht das Gehirn den benötigten Energieüberschuss dauerhaft aus den körperlichen Fettreserven. Menschen, bei denen der Körper auf diese Weise funktioniert, sind in der Regel schlank. Dafür ist ihr Immunsystem durch den dauerhaft hohen Cortisol-Wert jedoch geschwächt, sie sind somit anfälliger für Krankheiten.
  2. Auch hier hält die Stressphase an, doch der Cortisol-Wert passt sich der Situation nach einiger Zeit an und sinkt wieder, obwohl die Stressbelastung noch vorhanden ist. Das Gehirn fordert nun die gewünschte Energie nicht mehr aus den Fettdepots, sondern signalisiert einen Bedarf an Nahrungsaufnahme – Du empfindest das Verlangen nach Essen. Menschen mit einem solchen Stressverhalten nehmen in derartigen Phasen zu. Gleichzeitig ist ihr Immunsystem aber stärker, es ist letztlich für den Körper also tendenziell die gesündere Variante.

Oft ist dieses Phänomen äußerlich erkennbar. Menschen, die sehr viele Sorgen haben, beispielsweise Menschen, die schon lange Zeit arbeitslos sind, erscheinen häufig übergewichtig. Schnell werden sie dann in eine Schublade gepackt, indem ihnen Faulheit oder Antriebslosigkeit unterstellt wird. Tatsächlich kann es aber sein, dass hier ein großes Maß an geistigem Stress der Grund ist. Die Sorge um die finanzielle Lage, die Unzufriedenheit mit der Lebenssituation, die Scham gegenüber anderen – all das belastet. Gehören diese Betroffenen dann zu denen der 2. beschriebenen Variante, so empfinden sie einen ständigen Drang zu essen, den sie mit reiner Willenskraft kaum eindämmen können.

Welcher Typ bist Du?

Vermutlich hast Du Dich beim Lesen bereits grob eingeordnet. Um wirklich sicher zu sein, unter welcher Art von Übergewicht Du leidest, solltest Du Dir aber ein wenig Zeit nehmen, und Dich sehr ehrlich selbst hinterfragen. Erst dann wirst Du auch einen Ansatz finden, sinnvoll etwas dagegen zu unternehmen. Unter Umständen können sich natürlich auch zwei der Typen überschneiden, aber es wird immer eine Variante geben, die am stärksten zutrifft, und an dieser solltest Du Dich dann auch orientieren.

Hilfreiche Ansätze

Die klare Erkenntnis der Gründe für das eigene Übergewicht kann Dir den Ansatz erleichtern, wenn Du Dein Leben in neue, schlankere Bahnen umlenken möchtest. So gibt es für alle drei Typen unterschiedliche Möglichkeiten.

Bei der fehlenden Motivation muss genau diese entsprechend gestärkt und aufgebaut werden. Das ist nicht immer leicht, ist dann aber die optimale Basis, um eine Diät oder Ernährungsumstellung in die Tat umzusetzen und vor allem langfristig durchzuhalten.

Bei Menschen, die das Essen mit Emotionen verbinden, muss das Unterbewusstsein umgangen werden, dass diese Verbindung ungewollt immer wieder herstellt. Hier braucht es deutlich mehr Arbeit, um dem Bewusstsein andere, gegenteilige Denkmuster zu vermitteln und diese abzuspeichern.

Ähnlich geht es Menschen, die in Stressphasen verstärkt zu Süßem oder üppigem Essen greifen. Sie müssen zum einen erkennen, wie bei ihnen der Cortisol-Spiegel reagiert und zum anderen lernen, diesem Drang zu widerstehen. Reine Willenskraft genügt hier oft nicht und schon gar nicht langfristig, um das Unterbewusstsein zu unterdrücken.

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