Bei meiner Auseinandersetzung mit verschiedensten Diäten oder Ernährungsweisen sind mir so manches Mal auch Tipps untergekommen, die ich durchaus kurios oder zweifelhaft fand. Diese stammten in der Regel nicht von Fachleuten, sondern von gleichgesinnten Abmehmwilligen oder sogar sehr schlanken Menschen, die mir berichtet haben, wie sie ihr Gewicht halten. So auch die Idee einer ehemaligen Bekannten, die mir erzählte, dass sie sich überwiegend flüssig ernähre. Sie habe damit zwangsläufig nach einer größeren Zahn-OP begonnen und damit so gut abgenommen, dass sie es weitergeführt habe. Der Erfolg blieb dann allerdings ziemlich schnell aus, was nicht verwundert …

Ein Trugschluss

Ohne Frage: Wenn ich zwei Gläser Saft trinke, fühle ich mich – gerade am Morgen – durchaus erst einmal satt, habe aber trotzdem kein Völlegefühl wie beispielsweise nach einem Brötchen und einer Schale Müsli. Doch dieses Gefühl trügt. Auch wenn Getränke auf den ersten Blick als Leichtgewicht daherkommen, sind sie es bei weitem nicht. Wie immer kommt es dabei aber natürlich auf den Inhalt an. Nur da beginnt schon das Problem: Die wenigsten trinken wirklich konsequent den ganzen Tag nur Wasser. Andere Getränke haben aber zum Teil sehr viele Kalorien, die wir aber in der täglichen Kalorienbilanz gern mal unterschlagen. Dabei ist es egal, ob wir uns – wie besagte Bekannte – eine Zeit lang ausschließlich davon ernähren oder ob wir sie nebenbei zu uns nehmen, wobei letzteres die Gesamtbilanz natürlich noch weit mehr nach oben schnellen lässt. Wer sich beklagt, dass er nicht abnimmt, obwohl er streng auf die Einhaltung von maximal 1.000 Kilokalorien bei der Nahrungsaufnahme achtet, dabei aber unterschlägt, dass er neben oder zwischen den Mahlzeiten noch vier Gläser Cola, zum Frühstück einen Latte Macchiato und am Abend zwei Bier trinkt, der muss sich nicht wundern. Auf diese Weise kommt schnell das Doppelte zusammen.

Darum werden wir davon nicht satt

Fakt ist, dass Getränke, egal welche, uns nie lange sättigen. Das hat etwas mit der Dehnung der Magenwand zu tun, die für das Sättigungsgefühl sorgt. Sie reizt den so genannten Vagus-Nerv, der die Verbindung zwischen unserem Magen-Darm-Trakt und dem Gehirn darstellt. Auf diese Weise signalisiert uns das Zwischenhirn das Gefühl, satt zu sein, und zwar für eine ganze Weile, nämlich bis die Speisen angedaut sind und den Magen wieder verlassen. Auch Flüssigkeiten landen natürlich im Magen, doch sie verlassen ihn auch sehr schnell wieder. Ein halber Liter Flüssigkeit ist nach rund 20 Minuten bereits wieder draußen, sodass es sich spätestens nach 30 Minuten auch mit dem Sättigungsgefühl wieder erledigt hat.

Das ist auch der Grund dafür, dass wir immer trinken können, auch wenn wir gerade eine üppige Mahlzeit zu uns genommen haben. Während wir die Nachspeise vielleicht dankend ablehnen, weil wir so satt sind, greifen wir zur gleichen Zeit beherzt zum Glas Wein, zu Wasser oder auch zum Cappucino, denn trinken können wir gefühlt nahezu immer. Es gibt auch keine Negativform von Durst, oder? Es fehlt also das passende Pendant zum Sättigungsgefühl nachdem wir Hunger verspürt haben.

Der Inhalt von Getränken wird unterschätzt

Gerade beim morgendlichen Kaffee wird der Inhalt gern unterschätzt. Wer bei schwarzem Kaffee ohne alles bleibt, ist gut dran. Doch bei der heutigen Auswahl an Kaffeespezialitäten – gerade unterwegs in den diversen Cafés und Coffeeshops – sieht das schnell ganz anders aus. Ob Milchkaffee, Heiße Schokolade, Latte Macchiato mit Karamellsirup – darin steckt neben dem Fett der Milch und Sahne oft auch reichlich Zucker. Allein ein simpler Milchkaffee mit fettarmer(!) Milch schlägt bereits mit 200 Kilokalorien zu Buche.

Zucker, Zucker und noch mehr Zucker

Hinzu kommt der Zuckergehalt mit einem weiteren Problem. Beim Genuss von Zucker oder auch Glukose schüttet unser Körper Insulin aus. Das wiederum sorgt dafür, dass die Glukose vom Blut direkt in die Zellen gelangt. Der Insulinspiegel bleibt dadurch beim stetigen Genuss zuckerhaltiger Getränke beständig hoch, was gleichzeitig den Abbau von Fettgewebe verhindert. Der Stoffwechsel schaltet auf den Aufbau von Fett, das heißt obwohl wir uns nicht einmal satt fühlen, wenn wir über Stunden nur trinken statt zu essen, werden unsere Fettdepots nicht angegangen.

Wer nun glaubt, Zucker stecke vor allem in Limonaden wie Cola, der täuscht sich leider gewaltig. Ohne Frage ist hier der Anteil sehr hoch. In einem halben Liter Cola steckt doppelt so viel Zucker wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als ganze Tagesration empfiehlt. Einige Studien belegen zudem, dass zuckerhaltige Limonaden das Risiko erhöhen, an Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken.

Auch in einem großen Glas Eistee von ca. 200 ml stecken noch vier Würfel Zucker, im Fruchtsaft in gleicher Menge sogar sechs bis sieben. Der Fruchtzucker ist in diesem Fall nicht besser als der, der hinzugefügt wird.

Alkohol – ein weiterer Dickmacher

Alkoholische Getränke bremsen uns beim Abnehmen ebenfalls aus. Auch hier verbergen sich oft hohe Kalorienmengen. Hinzu kommt, dass Alkohol in unserem Körper nicht in Fett gewandelt und in den Zellen eingelagert wird. Stattdessen wird diese Energie sofort verbrannt. Das wiederum bedeutet, dass unser Energiebedarf, also der Grundumsatz, sinkt. Essen wir bei gleichzeitigem Genuss von Alkohol also so wie sonst auch, werden Nährstoffe aus dem Essen direkt in Fett umgewandelt

Welche Getränke sind unbedenklich?

Das war jetzt eine ganze Reihe von Beispielen, auf die wir besser verzichten sollten. Der Mensch muss jedoch ausreichend trinken – was bleibt dafür also übrig?

Zuerst einmal natürlich Wasser. Ob aus der Leitung oder der Flasche, Wasser enthält weder Fett noch Zucker, hat somit keine Kalorien und löscht den Durst. Wem das zu fad ist, der kann sich mit ein paar Scheiben Zitronen behelfen, die wenig Geschmack hineinbringen.

Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung sind nach neuen Erkenntnissen auch Light- oder Zero-Limonaden durchaus vertretbar. Ein verstärktes Hungerempfinden oder eine besondere Lust auf Süßes konnte nicht bestätigt werden. Eine optimale Alternative ist auch ungesüßter Tee.

Diese Getränke können Dich sogar beim Abnehmen unterstützen

Darüber hinaus gibt es einige Getränke, die mit einer speziellen Wirkung dazu beitragen können, dass Du Deine Diät mit Erfolg weiterführst. Brühe beispielsweise sorgt im Gegensatz zu anderen Getränken durchaus für ein Sättigungsgefühl. Durch den salzigen Geschmack stoppt sie außerdem den Heißhunger auf etwas Herzhaftes. Ordentlich zugreifen kannst Du auch bei Gemüsesäften. Sie sind sehr gesund, haben kaum Kalorien und stillen den Appetit auf Salziges.

Eine weitere Empfehlung der letzten Jahre ist Mandelmilch. Eine Studie der Universität Barcelona hat gezeigt, dass Mandeln bereits in kleinen Mengen den Appetit zügeln. Da Mandelmilch ausschließlich aus Mandeln und Wasser besteht, hat sie die gleiche Wirkung.

Zum Stillen des Hungergefühls kann auch Ingwertee führen. Er ist obendrein noch sehr gesund. Das gleiche gilt für Pfefferminztee, der obendrein noch die Verdauung unterstützt.

 

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