Wenn ich heute das Prinzip einer saisonalen Ernährung beschreibe, ist das keine Diät-Empfehlung, sondern eher eine Erläuterung dieses Ernährungsprinzips. Dabei geht es nicht ums Abnehmen, auch wenn der Fokus hier ganz deutlich auf Obst und Gemüse liegt. Wenn Dir dieses Prinzip also gefällt und Du es ausprobierst, dann kann eine Gewichtsreduktion durchaus auch die Folge sein. Das hängt aber maßgeblich damit zusammen, wie Du Dich bisher ernährt hast.

Was verbirgt sich hinter einer saisonalen Ernährungsweise?

 Saisonal bedeutet in erster Linie, dass wir uns darauf besinnen, das zu essen, was saisonal gerade wächst beziehungsweise geerntet wird. In den vergangenen Jahren ist das komplett verlorengegangen, denn wir sind längst daran gewöhnt, unsere Lieblingslebensmittel ganzjährig zu bekommen, egal ob Erdbeeren, Spargel, Kohl oder Salat. Genau das gilt es bei dieser Ernährungsweise jedoch zu vermeiden, und zwar aus unterschiedlichen Gründen, die das Klima, die Kosten, den Geschmack und einiges mehr betreffen. Nachdem Trends wie “Urban Gardening” inzwischen kein Fremdwort mehr sind, die Kleingärten wieder stärker von jungen Menschen bewirtschaftet werden und Begriffe wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit angesagt sind, ist eine saisonale Ernährung nach dem Erntekalender allmählich wieder auf dem Vormarsch.

Der Gesundheitsaspekt

 Zum optimalen Erntezeitpunkt bei perfektem Reifegrad ist sowohl Obst als auch Gemüse am gesündesten. Sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine sind zu diesem Zeitpunkt am konzentriertesten enthalten. Das kann bei einem Salat schon mal einen Unterschied von fast 100 Prozent bedeuten: Wenn er im Winter aus dem Treibhaus geerntet wird, enthält er so gut wie keine Flavonoide mehr (sekundäre Pflanzenstoffe), selbst im Frühjahr nur ein Fünftel der Menge, die er beim optimalen Erntezeitpunkt im Sommer mitbringt. Generell betrifft das extrem häufig auf Anpflanzungen aus dem Treibhaus zu. Dort wird außerdem meistens stärker chemisch behandelt, was also zusätzlich zu einer negativen Belastung mit Düngemittel- und Pestizidrückständen führt.

Obst und Gemüse, das importiert wird, weil es hier gar nicht anzubauen ist, wird häufig geerntet, bevor es überhaupt ausgereift ist, damit es den Transport gut übersteht. So oder so schadet der Transportweg jedoch dem Vitamingehalt, denn Vitamine reagieren empfindlich auf Licht, Sauerstoff oder Hitze. Die Pestizidbelastung von Waren aus dem Ausland ist Auswertungen zufolge ebenfalls höher.

Der finanzielle Aspekt

Ein weiterer Punkt, der nicht zu unterschätzen ist, ist der Preis. Zum optimalen und regulären Erntezeitpunkt herrscht naturgemäß ein Überangebot der jeweiligen Produkte. Spargel ist dafür ein anschauliches Beispiel: Ab dem ersten Stichtag im Frühling bis zum Johanni-Tag, an dem die klassische Spargelernte in Deutschland beendet wird, stehen die Spargelhändler in den Anbauregionen an jeder Ecke. Die Preise sind dann, zumindest regional, immer sehr ähnlich, da es sich keiner der Bauern erlauben kann, einen deutlich höheren Preis zu fordern. Unterschiede entstehen dann eher durch Zusatzangebote wie Schälmaschinen, die passenden Zutaten und ähnliches. Wer dagegen im Dezember für sein Weihnachtsmenü “frischen” Spargel verwenden möchte, der wird deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen.

Sonstige Aspekte

Auch aus klimatischer Sicht ist es durchaus sinnvoll, sich saisonal zu ernähren. Wird heimisches Obst und Gemüse außerhalb der natürlichen Ernteperioden angebaut, so ist das mit einem Mehraufwand an Energie und Wasser verbunden, da die Pflanzen dann nicht im Freiland heranwachsen können, sondern im Gewächshaus gezüchtet werden müssen. Der dort notwendige Energieverbrauch ist um ein Vielfaches höher.

Hinzu kommt der regionale Bezug. Wer saisonal und in der Umgebung kauft, unterstützt die regionale Landwirtschaft, vorwiegend die traditionellen, eigenständigen Höfe, von denen es zunehmend weniger gibt. Damit lebt man auch ein gutes Beispiel für die eigenen Kinder vor. Sie verstehen von Beginn an, dass es nicht alles zu jeder Zeit gibt, dass es noch Einkaufsorte abseits des Discounters gibt und dass vieles, was auf dem Teller landet, zuvor auf den Felder gewachsen ist. Das ist ein Vorteil, der längst nicht so selbstverständlich ist, wie er vielleicht klingt.

Auch die Vielfalt ist nicht zu unterschätzen, gerade wenn es nicht alles zu jeder Zeit gibt. Um ein saisonales Gemüse immer wieder anders zuzubereiten, wirst Du viel kreativer beim Kochen, was unglaublich viel Spaß machen kann. Sehr viele Obst- und Gemüsesorten kannst du außerdem entweder gut einlagern oder aber einkochen und aufbewahren, wenn Du zu anderer Zeit in den Genuss kommen möchtest.

 Mögliche Nachteile

Auch hier gibt es natürlich nicht ausschließlich positive Faktoren. Beispielweise suchen findige Händler nach Wegen, ebenfalls von diesem Trend zu profitieren. Das führt vermehrt zu einem unschönen Etikettenbetrug, denn längst nicht alle Versprechungen auf den Verpackungen und Labels entsprechen der Wahrheit. Auch deutsche Erdbeeren kommen oft aus dem Treibhaus, um genauso früh an den Markt zu kommen wie die Produkte aus Südeuropa. Sind die Labels nicht geschützt, so können hier verwendete Namen oder Begriffe häufig über die Wahrheit hinwegtäuschen.

Aus ökologischer Sicht ist wiederum ein Anbau in Monokulturen zweifelhaft, denn er laugt den Boden schneller aus, sodass auch dort mit stärkerer Düngung und Schädlingsbekämpfung gewirtschaftet werden muss.

Fazit

Mit einer saisonalen Ernährung gehen deutlich mehr Vorteile als Nachteile einher. Die Transparenz und das gute Gefühl, wenn Du regional und saisonal Dein Obst und Gemüse kaufst, ist eindeutig positiv. Auch ernährst Du Dich auf diese Weise sehr viel gesünder, weil die Lebensmittel nichts an Vitaminen und Nährstoffen einbüßen, wie es auf langen Transportwegen oder bei einer contra-saisonalen Bewirtschaftung der Fall ist. Du wirst Dich darüber hinaus wieder sehr viel gezielter mit jedem Gemüse auseinandersetzten und in der Küche viel Kreativität entwickeln. Dass Du darüber hinaus dabei auch noch eher sparsamer als verschwenderischer einkaufst, ist natürlich ebenfalls nicht zu unterschätzen. Du leistest zudem einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. Die wenigen Nachteile solltest Du natürlich ebenfalls berücksichtigen, doch sie dürften im Vergleich zu den vielen starken Vorteilen eher nebensächlich sein.

 

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