Es gibt relativ klare Aussagen und Werte für Unter-, Normal- und Übergewicht. Im Bereich von Adipositas-Erkrankungen gibt es dann noch weitere Stufen, um das Ausmaß an Übergewicht zu definieren.

Aber das sind reine Zahlen. Das eigene Empfinden kann oft gänzlich anders sein, schlimmstenfalls befindet man sich längst deutlich jenseits der Übergewichtsgrenze, hält sich aber selbst noch für verhältnismäßig schlank. Das hat zum einen mit der Selbstwahrnehmung zu tun, zum anderen aber oft auch mit Verdrängungstaktik.

Andere liegen an der unteren Grenze des Normalgewichts, werden aber schon ganz verrückt, wenn Sie nach einem Urlaub oder den Weihnachtstagen zwei Kilo mehr auf die Waage bringen, die außer ihnen selbst niemand bemerken würde. Wer entscheidet also, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um das Gewicht zu reduzieren?

Ab einem gewissen Punkt darf man nicht mehr überlegen

Grundsätzlich bedingt diese Frage natürlich, dass man sich überhaupt Gedanken um sein Gewicht macht und auch die Waage benutzt, um es im Blick zu haben.

So hart es klingen mag: Wenn ich auf der Waage stehe und die Anzeige nicht sehen kann, weil der Bauch im Weg ist, ist es definitiv allerhöchste Zeit.

Damit will ich sagen, dass es Menschen gibt, für die der „richtige“ Zeitpunkt längst überschritten ist. Hier ist es vor allem wichtig, dass überhaupt gehandelt wird und zwar möglichst schnell.

Die Punkte, die ich gleich noch aufführen werden, gelten in diesen Fällen nicht, denn sie wären nicht mehr als eine Steilvorlage zum Aufschieben.

Der BMI ist wie ich finde ein ganz guter Messwert. Er lässt sich leicht errechnen und gibt eine klare Einschätzung der Gewichtsklasse. Lautet das Ergebnis hier „starkes Übergewicht“ oder der Wert auf dem Taschenrechner liegt irgendwo um 40, dann ist es wirklich fünf vor zwölf.

 

Wie war das noch mit dem BMI?

Damit es hier erst gar keine Möglichkeit zur Ausrede gibt, nochmal eine kurze Erklärung, wie der BMI errechnet wird: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat.

Beispielrechnung: 100 kg/ (1,75 m x 1,75 m) = 32,68

In diesem Fall wäre das Ergebnis mitten in der Übergewichtszone – noch nicht ganz dramatisch, aber eben auch kein Normalgewicht mehr.

Grundsätzlich kann man folgende BMI-Werte zugrunde legen:

Untergewicht                   < 18,5

Normalgewicht                  18,5 – 24,9

Übergewicht                        25 – 29,9

Adipositas I                           30 – 34,9

Adipositas II                         35 – 39,9

Adipositas III                        ab 40

Abnehmen beginnt im Kopf

Wie so vieles andere auch ist es zuerst einmal eine Sache des Kopfes, ob wir abnehmen oder nicht. Denn spielt der nicht mit, wird alles andere gar nicht funktionieren.

Ich bin davon so überzeugt, weil ich es selbst erlebt habe – positiv wie negativ.

Es gab in meinem Leben ein stetiges Auf und Ab auf der Waage. Wenn ich gerade mal mein Wunschgewicht hatte, habe ich mir geschworen, das alte Gewicht nie wieder zuzulassen, doch irgendwann schummelte sich das ein oder andere Kilo wieder dazu und schwupps – plötzlich war ich wieder genau da, wo ich nie wieder hinwollte.

Das ist mir nicht nur einmal passiert. Nicht immer hatte es etwas mit dem berühmten Jojo-Effekt zu tun, manches Mal hat es auch Monate oder sogar Jahre gedauert, bis dieser Punkt wieder eintraf. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich wieder dick war.

Es gab für mich dann verschiedene Reaktionen:

  • Ich hab mich fortan längere Zeit einfach nicht mehr gewogen
  • Ich habe mir eingeredet, dass das alles nicht schlimm ist, weil ich ja auch älter geworden bin oder einfach in letzter Zeit über die Stränge geschlagen hatte oder ich auch so liebenswert bin, oder oder oder
  • Ich habe mich frustriert in mich zurückgezogen, war wochenlang schlecht drauf und habe in Selbstmitleid gebadet
  • Ich habe gehandelt

Was war anders, wenn ich gehandelt habe?

Inzwischen weiß ich, warum meine Reaktionen in immer wieder derselben Situation so unterschiedlich waren.

Wenn ich gerade sehr gestresst war, durch Familie oder Job, fehlte mir schlichtweg die Kraft, um mich selbst auch noch für eine Ernährungsumstellung zu motivieren.

War ich nicht gut drauf, weil es Dinge gab, die mich belasteten, war alles andere wichtiger als ein möglicher Gewichtsverlust. Standen gerade diverse Feierlichkeiten und Termine an, hatte ich keine Lust, überall erklären zu müssen, dass ich gerade wenig essen möchte.

Letztlich sind das natürlich alles keine wirklichen Gründe, sondern Ausreden vor mir selbst. Aber ich hatte eben nicht den Kopf dafür. Und schon wieder bin ich also beim Thema „Kopfsache“

Es gab aber auch immer wieder die Momente, wo ich morgens aufgestanden bin und mir gesagt habe:

So, und jetzt gehst du es an – so geht es nicht weiter! Dann – und nur dann! – war ich motiviert genug, wirklich aktiv gegen mein Gewicht anzugehen.

In diesen Phasen waren all die vorgeschobenen Gründe keine mehr, denn Termine habe ich entweder abgesagt oder um Verständnis gebeten, dass ich nicht oder zumindest nicht viel essen möchte.

Gab es seelische Belastungen habe ich mich überzeugt, dass mein Übergewicht mich nur noch zusätzlich belasten würde. War ich im Stress, habe ich es als Vorteil gesehen, dass ich weniger Zeit zum Kochen brauche und die derzeitige Hektik in meinem Leben meine Diät in Hinsicht auf ausreichend Bewegung bestenfalls noch unterstützen würde.

Alles hat eben immer zwei Seiten!

Vom Sprint zum Ausdauertraining

Den Anfang habe ich dann immer hinbekommen, weil genau diese Momente für mich der perfekte Zeitpunkt zum Handeln waren.

Den kann man eben nicht sachlich bestimmen, er ist individuell bei jedem anders getaktet.

Nur wer sich bereits aufgegeben und mit seinem „Schicksal“ abgefunden hat, wird ihn gar nicht mehr erkennen. In den ganz besonderen Momenten war ich dann auch in der Lage, die Langstrecke in Angriff zu nehmen und meine Diät – in welcher Weise auch immer – so lange durchzuziehen, bis ich mein Ziel erreicht hatte. Häufiger war es leider eher so, dass ich im Sprint sehr stark war, dann aber nicht mehr die Kraft für mehr hatte.

Das hat zumindest bei mir oft auch mit der Art der Diät oder Umstellung zu tun gehabt, aber darüber werde ich an späterer Stelle berichten.

Noch immer bin ich eher in dieser Hinsicht ein Mehrkämpfer – mal Kurz-, mal Langstrecke, mal Hoch- mal Weitsprung. Das befriedigt mich natürlich nicht, aber ich habe gelernt, auf meinen Kopf zu hören, und zu akzeptieren, dass ich diese besonderen Momente erkennen und nutzen muss, weil alles andere mich nicht voranbringen würde.

Alles auf Anfang

Das waren jetzt viele sehr persönliche und individuelle Maßstäbe, darum zum Schluss noch einmal etwas Allgemeingültiges: Wer sich aufgibt, verliert definitiv.

Und zum Aufgeben gehört auch, den Kopf in den Sand zu stecken, die Realität auszublenden oder sich alles schön zu reden, was in Wahrheit dick und zu viel ist. Man sollte auf sein eigenes Bauchgefühl, den Kopf und den Körper hören, denn sie alle haben uns etwas zu sagen.

Was den Kopf angeht, habe ich das ja gerade schon ausführlich beschrieben. Das Bauchgefühl hängt damit zusammen, denn vor dort kommt im Zweifel diese plötzliche Motivation „Jetzt – dieses Mal schaffe ich es!“, die so unglaublich wichtig sein kann. Und der Körper gibt uns ebenfalls ganz klar Bescheid, indem er schwerfälliger, behäbiger und müde wird. Wenn die Gelenke beim Treppensteigen schmerzen, nach einem kurzen – wirklich kurzen! – Sprint, um den Bus zu bekommen, der Schweiß läuft, als hätte man einen Marathon hinter sich oder wenn selbst die kleinsten alltäglichen Aufgaben anstrengen – dann ist es wirklich höchste Zeit, ganz genau hinzuhören.

Es ist niemand anderer dafür verantwortlich, etwas zu ändern, als wir selbst – auch oder besser gerade dann, wenn es schon wehtut.

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