In unserer heutigen Zeit leiden nicht nur Erwachsene unter steigendem Übergewicht. Auch unsere Kinder werden immer dicker. Die Entwicklung ist hier nicht ganz so dramatisch, aber nach wie vor bedenklich. Die Ursachen sind vielfältig. Zum einen überschneiden sie sich natürlich mit denen, die die Adipositas-Rate auch bei Erwachsenen fördern: Wir leben im Überfluss an Lebensmitteln, und ein Großteil davon enthält viel zu viel Fett, Zucker oder Salz. Es wird weniger selbst gekocht und dafür häufiger zu den vielen Fastfood-Möglichkeiten gegriffen, die der Markt uns bietet. Hinzu kommt eine starke Veränderung im Alltag. Während Kinder und Jugendliche früher vor allem an der frischen Luft getobt und gespielt haben oder auch kleinere Arbeiten im Garten oder Haushalt verrichtet haben, verbringen sie heute extrem viel Zeit vor Fernseher, PC oder Spielkonsole und sind somit bewegungslos im Sitzen. Es werden also mehr Kalorien aufgenommen und gleichzeitig weniger verbraucht.

Dick ist nicht gleich dick

Nur weil ein Kind kurzfristig etwas an Gewicht zunimmt, muss das nicht gleich bedenklich sein. Außerdem sollte es nicht an optischen Punkten festgemacht werden. Kinder befinden sich im Wachstum, damit verändern sich auch die Körperproportionen. Außerdem bringen die größer werdenden Knochen auch mehr Gewicht mit, sodass auch der Stand auf der Waage allein nicht entscheidend ist. Der BMI wird ebenfalls nicht als Maßstab für Kinder und Jugendliche empfohlen. Wenn Du das Gefühl habst, dass Dein Kind zu dick ist und sich dies nicht ändert, solltest Du auf jeden Fall einen Arzt befragen, bevor Du– wenn auch gut gemeint – Deinem Kind eigenmächtig eine bestimmte Diät verordnen. Denn da wartet bereits das nächste Problem: Wenn Du selbst Diät hälst, dann ist diese nicht auch für Ihr Kind angebracht. Während wir Erwachsenen schnell mal zu Extrem-Diäten oder Kuren tendieren, die einzelne Stoffe komplett ausschließen, können diese für den Nachwuchs absolut schädlich sein. Kinder und Jugendliche, die noch mitten in der körperlichen Entwicklung stecken, brauchen ein hohes und vor allem ausgewogenes Maß an Vitaminen, Mineralstoffen und vieles mehr. Radikaldiäten fördern außerdem den Jojo-Effekt, und wenn dies bereits im Kindesalter geschieht, kann das später starke Folgen haben.

Bedenke Deine Vorbildfunktion

Du willst Deinem Kind in allen Bereichen des Lebens ein Vorbild sein, und das solltest Du auch. Gerade im Ernährungsbereich ist das besonders wichtig, denn auch hier stellen sich schon früh die Weichen für das spätere Leben. Je gesünder und bewusster Du im Haushalt mit Lebensmitteln umgehst, desto besser ist es also. Für Kinder solltest Du frisch kochen und auf Fastfood verzichten. Viel Gemüse, Obst, Milchprodukte und Cerealien sind wichtig, also insgesamt eine sehr ausgewogene Kost. Natürlich müssen Kinder aber nicht immer und gänzlich auf Süßigkeiten oder Lieblingsspeisen wie Pizza & Co. verzichten, das feuert nur den verstärkten Drang danach an. Das Geheimnis liegt im richtigen Maß statt in der Masse. Schon gar nicht solltest Du deinem Nachwuchs die Schokolade verbieten, selbst aber vor dem Fernseher eine ganze Tafel vernaschen, ganz egal ob Du selbst schlank oder übergewichtig bist. Koche mit Deinen Kindern gemeinsam und fördere dadurch einen bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln. Der Spaß dabei ist der Bonus für alle, und besser schmecken wird es obendrein.

Bewegung ist das A & O

Die bewusste und kalorienreduzierte Ernährung ist die eine Seite der Medaille. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass Du deine Kinder zu mehr Bewegung motivierst. Dabei wird es wenig erfolgreich sein, wenn Du dem Nachwuchs verordnest, sich zu bewegen. Viel besser ist es, die Kinder an die Hand zu nehmen und gemeinsam mit ihnen Sport zu treiben, Dinge zu Fuß statt mit dem Auto zu erledigen, herumzutoben oder im Garten Fangen zu spielen – immer so, wie es altersgemäß angebracht erscheint. Die Kinder sitzen bereits viele Stunden täglich in der Schule und zusätzlich bei den Hausaufgaben. Vereinbare  außerhalb dieser Phasen feste Zeiten oder zeitliche Rahmen, in denen TV, PC oder Tablet okay sind und achte darauf, dass die Kinder sich in der übrigen Zeit bewegen. Das wird nicht nur körperlich hilfreich sein, sondern Dein Kind auch in seinem Sozialverhalten fördern und ihm helfen, die Welt außerhalb des Bildschirms zu entdecken, was bei vielen jungen Menschen heute viel zu kurz kommt.

Höre genau hin

Möglicherweise findest Du dein Kind gar nicht zu dick oder hast nie darauf geachtet. Auch das kann fatal sein. Höre aufmerksam zu, erspüre, ob Dein Kind glücklich ist. Kinder mit Übergewicht sind oft Hänseleien ausgesetzt, können damit aber noch viel schwerer umgehen als wir Erwachsenen. Folgen können Depressionen und sozialer Rückzug sein. Das ist ebenso schlimm wie die körperlichen Nebenwirkungen von Übergewicht, die sich in fehlender Kondition, starkem Knochenverschleiß oder langfristigen Haltungsschäden zeigen. Wenn Sie möchten, dass Ihr Nachwuchs später ein gesunder, positiver und selbstbewusster Erwachsener wird, stelle rechtzeitig die richtigen Weichen dafür und sei aufmerksam.

Fazit

Behalte immer im Blick, dass Du nicht von Dich auf Dein Kind schließen darfst. Weder in der Beurteilung des Gewichts noch bei den Maßnahmen zur Gewichtsabnahme. Nutze Deine Vorbildfunktion, indem Du in der Familie eine gesunde Ernährung vorlebst und Leckereien wie Fastfood oder Süßes in Maßen genießt. Kein Kind muss auf einen Geburtstagskuchen oder einen Milchreis oder Pudding immer verzichten, es sollten aber immer die Freuden am Rande bleiben. Zur Ausgewogenheit gehört auch, dass junge Menschen auf jeden Fall drei Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen. Für den kleinen Hunger zwischendurch sind Obst und Gemüse vollkommen okay.

Planen Sie Bewegung in den Alltag ein, so gut Sie können. Motiviere Deinen Nachwuchs zum Sporttreiben. In einem Verein kann das auch das soziale Leben verbessern, und der Ansporn ist gerade bei Kindern in der Gruppe viel größer. Nutze das Wochenende für kleine Ausflüge, bei denen sich alle zusammen bewegen und lebe vor, dass es kein Problem ist, mal für einen Tag oder zumindest viele Stunden am Stück, das Handy und andere elektronische Alltagsbegleiter zu ignorieren.

Und ganz wichtig: Wenn Du unsicher bist, ob Dein Kind überhaupt abnehmen muss oder wie das am besten geht, scheue Dich nicht, um Rat zu fragen. Ärzte oder Ernährungsberater können eine große Stütze sein und Dir ein wenig Verantwortung abnehmen. Umso besser kannst Du dann, gemeinsam mit den Kindern, auf die sinnvolle und vernünftige Umsetzung konzentrieren.

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