Heute möchte ich mal darüber schreiben, wie schwer es manchmal ist, bei der eigenen Familie Rückhalt zu bekommen, wenn es um das Thema Diät geht. Es ist ja schließlich das eine, wenn man selbst entscheidet, dass man abnehmen möchte. Dieser Entschluss ist schwer genug, und die eigene Überzeugung ist immens wichtig, um die Diät – oder im besten Fall die komplette Ernährungsumstellung – auch durchzuhalten. Umso wichtiger ist es, dass man damit nicht allein gelassen wird. Und damit meine ich nicht nur die moralische Unterstützung …

Ein kleiner Erfahrungsbericht

Die Beispiele, die ich hier beschreibe, liegen schon eine Weile zurück, in meiner Erinnerung sind sie aber noch sehr präsent. Ich hatte damals zum ersten Mal wirklich und so richtig voller Überzeugung entschieden, dass es mit meinem Gewicht so nicht weitergehen konnte. Also beschloss ich, ab sofort eine strenge Diät zu machen. Voller Enthusiasmus berichtete ich meiner Familie davon. Mein Mann – selbst nicht gerade schlank – sagte nur: „Warum, mir gefällst du so, wie du bist.“ Nicht, dass ich das nicht zu schätzen wollte, aber hilfreich war diese Aussage natürlich nicht wirklich. Von Seiten der Kinder kam ein beiläufiges Nicken, was mir zeigte, dass sie meinen Entschluss nicht wirklich ernst nahmen.

Ich motivierte mich munter selbst, besorgte im Supermarkt meine Diätgerechten Lebensmittel und startete am nächsten Morgen mit einem Obstsalat für mich. Ich entschied, dass es auch meiner Familie nicht schaden könnte, etwas gesünder zu essen, und verpackte liebevoll entsprechende Schulbrote für die Kinder. Am Abend bereitete ich eine Gemüsepfanne und erwartete freudige Gesichter für dieses neue Gericht, das im Übrigen wirklich lecker war! Doch da lag ich vollkommen falsch. Meine Kinder warfen genervt ihre Brotboxen auf den Tisch und beharrten darauf, dass man so etwas nicht essen könne. In der Gemüsepfanne stocherten sie gequält herum, während mein Mann fragte, was es denn wohl nach der Vorspeise gebe und wo überhaupt das Fleisch sei.

Frust und Motivationsverlust

Es ist wohl überflüssig, zu erwähnen, wie sehr mich das Verhalten meiner Familie gefrustet hat. Länger als drei Tage hielt ich das Gejammer nicht aus. Also bat ich meinen Mann, die Brote für die Kinder zu machen und mittags im Büro zu essen, damit ich nicht ständig Leckereien zubereiten musste, von denen ich dann nichts essen durfte. Das macht die Diät ja schließlich nicht gerade leichter. Das klappte gerade mal zwei Tage, dann fehlte ihm morgens die Zeit, und auch wenn er mittags schon etwas „Kleines“ gegessen hatte, so war er abends immer noch hungrig. Mit dem Ergebnis, dass er sich am Abend eine Pizza oder andere Fertiggerichte in den Ofen schob, deren Duft mich ziemlich quälte. Mein Mann bemerkte meine schlechte Laune natürlich. Im Glauben, mir einen Gefallen zu tun, lud er mich am nächsten Abend ein und entführte mich in ein italienisches Restaurant … Nach knapp zwei Wochen schmiss ich hin.

Der bessere Weg

Ich habe diesen Versuch bei weitem nicht nur einmal gestartet. Mal ging es etwas besser, mal gar nicht, das Ergebnis war letztlich immer das Gleiche, was dem Familienleben auf Dauer nicht gut getan hat. Und mir auch nicht. Inzwischen habe ich einen deutlich besseren und nachhaltigeren Weg gefunden. Ich habe meiner Familie geschildert, wie unwohl ich mich in meiner Haut fühle, und dass ich etwas ändern möchte. Außerdem habe ich ihnen erklärt, wie wichtig mir dabei ihre Unterstützung ist. Ich verabschiedete mich von den Radikaldiäten, die ohnehin nicht sinnvoll sind, und teilte allen mit, dass ich einfach die Ernährung „ein wenig“ umstellen würde. Statt tütenweise Chips gab es nun häufiger mal Gemüsesticks und Quark, statt Fastfood die leichteren Lieblingsgerichte meiner Kinder, frisch gekocht und besonders kindgerecht. Für mich gab es dann einfach deutlich kleinere Portionen, und auf den Nachtisch verzichtete ich komplett. Ich will nicht sagen, dass das perfekt lief, denn natürlich blieb ein Übermaß an Versuchungen für mich. Aber der Familiensegen hing wieder gerade.

Das Problem mit der Bewegung

Das gesündere Essen allein genügte mir nicht, ich hatte mir auch fest vorgenommen, wieder aktiver zu werden. So ging ich mit den Kindern zu Fuß zum Einkaufen, statt mit dem Auto zu fahren, nahm Treffen statt Lift und ähnliches mehr. Außerdem versuchte ich, meine Familie an den Wochenenden mit kleinen Ausflügen zu locken, die für mich einen Spaziergang und für die Kinder Spaß bedeuteten, zum Beispiel Besuche im Zoo und ähnliches. Eine Zeit lang ging auch das recht gut, aber als der Winter begann, war es mit diesen Aktionen schnell vorbei. Mein Mann ist seit jeher eher ein Sportmuffel, an eine gemeinsame Sportart war da leider nicht zu denken. Und alleine fehlte mir die Motivation, das wusste ich, also fing ich es erst gar nicht an. Dieses Manko habe ich noch nicht besiegt, habe es aber zu meinem nächsten Ziel erklärt – dazu also ein anderes Mal mehr.

Fazit

Ich habe aus diesen Erfahrungen einiges gelernt. Zum Beispiel, dass ich meine Familie nicht zwingen kann, meine Entscheidungen komplett mitzutragen, auch wenn es gut für sie wäre. Und schon gar nicht von heute auf morgen. Wir sind noch dran an der schrittweisen Ernährungsumstellung. Inzwischen lieben meine Kinder meinen selbst gemachten Kräuterquark, wenn sie neben den Gemüsesticks auch ab und an ein paar Cracker zum Stippen bekommen. Fastfood kommt kaum noch vor, wenn überhaupt dann mal als besonderes „Highlight“, weil die Kinder es sich so sehr wünschen. Ansonsten koche ich deutlich mehr als früher, und oft mit den Kindern zusammen, was uns allen Spaß macht.

Ich habe außerdem eingesehen, dass ich meinen Erfolg und auch meine Motivation nicht von anderen abhängig machen darf. Ich allein muss den Willen und das Durchhaltevermögen aufbringen, denn schließlich will ja ich etwas ändern. Mit dieser Einstellung fahre ich grundsätzlich ganz gut. Der Weg ist noch lang, und natürlich gibt es immer wieder kleine Rückschläge und Phasen, in denen es mir schwer fällt, meine Vorsätze umzusetzen. Doch insgesamt funktioniert es, eben nur langsamer und nicht im Hauruck-Verfahren. Das betrifft die Abnahme auf der Waage ebenso wie das Verständnis meiner Lieben. Doch es gibt ja nicht umsonst Sprüche wie „Kleinvieh macht auch Mist“ oder „Steter Tropfen höhlt den Stein“, ich denke jetzt langfristiger. Und wer weiß, vielleicht kann ich im nächsten Jahr mit frischer Motivation und ein paar neuen Ideen noch weitere Pläne umsetzen, die uns allen gut tun. Mein Mann muss letztlich selbst entscheiden, was gut für ihn ist. Und bei meinen Kindern weiß ich, dass sie jetzt schon viel gesünder leben, als früher, und ich sehe, dass es ihnen gut geht. Das ist für mich pure Motivation, damit schaffe ich dann auch weitere Schritte.

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