Adipositas ist längst kein Fremdwort mehr. Schließlich lesen wir das Wort in den letzten Jahren zunehmend oft in der Presse oder hören in Fernsehberichten davon.

Fakt ist, dass gerade in Europa die Menschen immer dicker werden. Allein in Deutschland ist ein Drittel der Bevölkerung übergewichtig. Ab einem gewissen Punkt wird diese Fettleibigkeit dann als Adipositas bezeichnet. Beginnend bei einem BMI ab 30 wird auch hier nochmal zwischen mehreren Stufen unterschieden.

Die Ursachen für das starke Übergewicht spielt bei der Einordnung letztlich keine Rolle, Adipositas an sich wird als chronische Krankheit angesehen.

Aber Vorsicht: Das heißt nicht, dass man nichts dafür kann, dick zu sein! Im schlimmsten Fall hat man sich über Jahre oder Jahrzehnte so ungesund ernährt, dass dieses Fehlverhalten zur Krankheit namens Adipositas geführt hat.

Die Symptome einer ernst zu nehmenden Adipositas-Erkrankung

Natürlich sehen wir im Spiegel, dass wir immer dicker werden. Aber nur allzu gern macht man sich selbst etwas vor.

Gedanken wie „so schlimm ist das gar nicht“, „das ist nur eine Phase“, „andere sind noch viel dicker als ich“,  „rund ist doch gesund“ oder „so wie es gekommen ist, geht es auch wieder“ lassen uns die Realität verschleiert sehen.

Doch es geht eben nicht von allein wieder weg, und zu rund ist auch nicht mehr gesund. Ganz im Gegenteil. Neben der rein optischen Wahrnehmung sollten Menschen, die übergewichtig sind, auch auf andere Anzeichen achten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Extremes Schwitzen
  • Schnelle Ermüdung
  • Geringe Belastbarkeit
  • Schmerzen in den Knien
  • Atemnot oder Kurzatmigkeit
  • Rückenschmerzen

Treten ein oder mehrere dieser Symptome auf, so können sie definitiv mit dem eigenen Übergewicht in Verbindung stehen und sollten sehr ernst genommen werden. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, entgegenzuwirken.

Adipositas hat viele Begleiter

Es ist erwiesen, dass im Falle von Adipositas diverse Folgeerkrankungen eintreten können, die keinesfalls zu unterschätzen geschweige denn zu ignorieren sind. Je stärker die Fettleibigkeit, desto höher das Risiko, an Begleiterkrankungen zu leiden, die so schwerwiegend sein können, dass sie unsere Lebenserwartung deutlich verkürzen. Ein paar davon möchte ich nennen, da sie am häufigsten auftreten:

  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Diabetes
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Lungenerkrankungen
  • Tumorerkrankungen
  • Arthrosen

Adipositas übt also einen starken Einfluss auf unseren Körper aus, sowohl auf unsere Bewegungsfähigkeit als auch auf den Kreislauf und vieles mehr.

Unsere Leistungsfähigkeit ist deutlich eingeschränkt, auch das lässt sich nicht schön reden. Wer 30 kg mehr auf den Rippen hat, als es „normal“ wäre, der läuft einfach nicht mehr schnell mit den Einkaufstüten die Treppe hinauf.

Die Motivation, sich sportlich zu betätigen bleibt aufgrund dessen gleich mit auf der Strecke, was die Situation noch verschlimmert.

Bei vielen Betroffenen ist es gerade der Bewegungsmangel, der mit zu dem vorhandenen Übergewicht geführt hat, das heißt, es entsteht ein Teufelskreis, wenn für die eigentlich so notwendige körperliche Aktivität keine Kraft und kein Willen da ist.

Oft unterschätzt: Die psychischen Begleiterscheinungen

Es gibt also eine ganze Reihe an physischen Randerscheinungen, von denen hier gar nicht alle im Einzelnen aufgeführt sind. Doch leider ist das noch längst nicht alles, sondern nur eine Seite der Medaille. Auch die Seele leidet in vielen Fällen und erschwert die Situation zusätzlich.

Die eigene Unzufriedenheit mit dem übermäßigen Gewicht und dessen Folgen – sowohl gesundheitlich als auch optisch – belastet viele der Betroffenen schon sehr stark. Gerade Menschen mit wenig ausgeprägtem Selbstbewusstsein ziehen sich immer mehr in sich selbst zurück, weil sie in ihrer Fülle ungern unter Leute gehen.

Hinzu kommen Kritik und Bewertungen anderer, die mit bedachten oder unbedachten Äußerungen oder gar Beschimpfungen das Selbstwertgefühl treffen und stark beeinflussen. Das trifft im Besonderen Kinder und Jugendliche, die derartig negative Erfahrungen durch Mobbing oder soziale Ausgrenzung machen müssen.

Menschen, die damit nicht gut mit Ablehnung oder Kritik umgehen können, laufen Gefahr, schwere psychische Schäden zu erleiden. Nachweislich kommt es unter Adipositas-Patienten häufig zu Depressionen oder auch Angststörungen.

Das führt wiederum erneut dazu, dass die Betroffenen sich einigeln und zurückziehen, sich noch weniger bewegen und den Frust mit zusätzlichen Kalorien zu bekämpfen versuchen, was natürlich genau der falsche Weg ist.

Ungesundes Essverhalten ist häufig die Ursache …

Außenstehende, die selbst schlank sind und möglicherweise noch nie mit Übergewicht zu kämpfen hatte, gehen oft von einem komplett selbst verursachten Problem aus.

Für sie scheint es keine andere Möglichkeit zu geben, als die, dass dicke Menschen einfach pauschal zu viel essen und sich zu wenig bewegen. Gar keine Frage – sehr häufig ist das auch der Fall.

Davor sollten auch Betroffene nicht die Augen verschließen, sondern sich gezielt mit dem persönlichen Essverhalten auseinandersetzen.

Wer den ganzen Tag nur sitzend tätig ist oder noch schlimmer, überwiegend auf dem Sofa liegt, hat schlichtweg nur noch einen sehr geringen Grundumsatz an Kalorien, der mit der Nahrungsaufnahme schnell gedeckt ist.

Viel fettiges Essen, Fastfood, Süßigkeiten und zu wenig gesunde, ausgewogene Kost, die frisch zubereitet wird, ist und bleibt eine der Hauptursachen in solchen Fällen.

Ich habe diese Erfahrung selbst gemacht. Nach einem Jobwechsel, der dazu führte, dass ich fortan mindestens acht Stunden sitzend am Schreibtisch verbrachte und auch danach nicht mehr die Power hatte, mich zu bewegen, führte – wieder einmal – zu rapider Gewichtszunahme, obwohl ich an meiner Ernährungsweise nichts verändert hatte.

Auch als ich noch sorgsamer auf Zucker, Fett und zu viele Kohlenhydrate verzichtete, bekam ich es nicht wirklich in den Griff. Erst eine Erhöhung meines täglichen Energiebedarfs durch aktiven Sport wirkte sich positiv aus. Doch diese Erkenntnis hat lange gedauert, die Umsetzung noch mehr, und bis dahin hatten sich etliche zusätzliche Kilos angesammelt.

…  aber eben auch nicht immer

Tatsächlich gibt es aber auch Adipositas-Patienten, bei denen die Ursache anders gelagert ist. Und das sind gar nicht mal so wenige.

Studien weisen aus, dass bei 40 bis 70 Prozent der Adipositas-Fälle auch eine Erkrankung oder Medikamente zum übermäßigen Übergewicht geführt haben könnten. In solchen Fällen sprechen Mediziner von sekundärer Adipositas.

Zu den möglicherweise verantwortlichen Krankheiten zählen beispielsweise Zystenerkrankungen der Eierstöcke, Genetische Syndrome wie beispielsweise das Prader-Willi-Syndrom, Testosteronmangel bei männlichen Patienten, oder auch eine Unterfunktion der Schilddrüse.

Hinzu kommen Essstörungen wie Bulimie oder Binge Eating, bei denen ein Kontrollverlust eine ausgewogene Nahrungsaufnahme verhindert. Auch der Teufelskreis in der Verbindung aus Adipositas und Depressionen oder Angststörungen muss hier erneut genannt werden.

Bei den Medikamenten, die zu erhöhtem Übergewicht führen können, zählen Antihistaminika, Antiepileptika, Psychopharmaka, Blutdruckmedikamente und auch einige Migräne-Medikamente.

Nicht abwarten, sondern handeln

Glücklicherweise bin ich persönlich bisher von ganz dramatischen Randerscheinungen verschont geblieben.

Allerdings musste ich durchaus zeitweise mit heftigen Gelenkschmerzen klarkommen und auch feststellen, dass ich mich nicht mehr fit fühle. Auch starke Frustphasen sind mir leider absolut bekannt, auch wenn sie bisher nie bis zu einer echten Depression führten.

Es ist sicher mein Glück, dass ich eine intakte Familie habe, die mir sehr viel Sicherheit gibt, und auch einen Beruf, der mir – meistens zumindest – Spaß macht.

Beides stärkt mein Selbstwertgefühl und gibt mir so immer wieder die Kraft, gegen mein Übergewicht anzugehen. Und genau das halte ich auch für maßgeblich wichtig.

Berg- und Talfahrten gehören leider dazu

Ja, ich gebe zu – auch heute liegt mein BMI über 30, was mich zu einem Adipositas Betroffenen macht. Momentan überschreite ich diese Grenze aber glücklicherweise nur sehr knapp, was in mir die Hoffnung verstärkt, bald in die normale Übergewichtszone zu kommen.

Es gab aber auch Zeiten, in denen ich sehr viel mehr auf die Waage brachte. Ich weiß, dass es mir zu diesen Zeiten alles andere als gut ging.

Trotzdem gelingt es mir bisher nicht, dauerhaft mein Gewicht auf einem gesunden Niveau zu halten. Aber ich habe erkannt, dass ich rechtzeitig handeln muss, wenn der BMI wieder drastisch steigt.

Nur ich allein kann dann aktiv werden, denn ich kann niemandem sonst die Schuld dafür geben, dass es so ist, wie es ist. Ich kann daher auch nur jedem anderen raten, nicht abzuwarten, bis alles noch schlimmer wird.

Von allein gehen diese Fettpolster nun einmal nicht weg.

Und wer es allein nicht hinbekommt, sollte sich dringend Unterstützung holen. Das ist keinesfalls peinlich, ganz im Gegenteil, denn es beweist die Selbsterkenntnis und den ersten Schritt  nach vorn. Nicht einkapseln und aufgeben, sondern akzeptieren und handeln – das gibt unglaublich viel Kraft.

Bild: docstockmedia/Shutterstock.com

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