Die ersten Nachtfröste haben wir schon wieder hinter uns, und es ist nicht auszuschließen, dass demnächst hier oder da die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen. So oder so: Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür, ob wir wollen oder nicht. Die Geschmäcker sind sehr unterschiedlich, der eine wird die nächsten vier Monate nur darauf warten, dass es endlich wieder Frühling wird, der andere wird die dunkle Jahreszeit in vollen Zügen genießen, weil er die Gemütlichkeit und Ruhe liebt. Fakt ist: Wer unter Übergewicht leidet, wird es in dieser Zeit noch ein bisschen schwerer empfinden als sonst, ein paar Kilos zu verlieren.

Trug oder Tatsache?

Tatsächlich ist das keine Einbildung und schon gar keine Ausrede, wenn es uns im Winter schwerer fällt, abzunehmen. Es ist allerdings auch nicht so, dass der Körper das von sich aus hemmt, sondern es wird uns nur erschwert, die nötige Disziplin einzuhalten. Und das gleich auf mehreren Ebenen, egal ob beim Essen oder bei der Bewegung beziehungsweise insgesamt in Sachen Motivation. Nicht von ungefähr gehört das Abnehmen zu den häufigsten großen Vorsätzen, wenn das neue Jahr beginnt. Es ist einfach so, dass wir bis zum Jahreswechsel eher zunehmen als abnehmen, was für all diejenigen, die ohnehin schon zu viel auf den Rippen haben, umso unerfreulicher ist.

Die Sache mit dem Essen im Winter

Steht Dir bei strahlender Sonne und leichter Kleidung im Garten der Sinn nach Schweinebraten mit Knödeln oder nach Gulasch mit Nudeln? Vermutlich nicht. Das sind typische Wintergerichte. Nicht nur, weil es Gerichte sind, die uns dann von innen wärmen. Viele derartig herzhafte Speisen haben dann einfach auch Saison, ein Paradebeispiel ist der hier bei uns so beliebte Grünkohl. Darauf freuen wir uns das ganze Jahr, ähnlich wie auf die Spargel- oder Erdbeersaison. Der Kohl an sich wäre ja auch gar kein Problem, doch wir essen ihn ja selten solo. Dazu gehört die Schlachtplatte mit Kasseler, Kohlwurst und Bauchfleisch, alles ordentlich fett und häufig noch mit ordentlich Schmalz versetzt. Dazu gehört natürlich Bier ins Glas, damit es so richtig schmeckt und am besten hinterher ein Schnaps, damit es dem Magen besser geht.

Das ist nur ein Beispiel. Als nächsten folgen die Lebkuchen, Dominosteine und Spekulatius, vom Stollen erst gar nicht zu reden. Marzipan hat im Winter Hochsaison, auch Kaffee und Kuchen schmeckt vor dem Kamin viel besser als bei 30 Grad auf der Terrasse. Die Adventszeit ist nicht nur für Kinder mit Süßigkeiten gespickt, viele Erwachsene erfreuen sich ebenso an ganz unterschiedlichen Adventskalendern, ob gefüllt mit Schokolade, Bier, Pralinen oder anderen Leckereien. Die Industrie hat da schon ausreichend Ideen, um den Geschmack der Masse zu bedienen. Tja, und die Weihnachtsfeiertage selbst sind ohnehin oft eine einzige Völlerei: Während es früher am Heiligabend zumindest nur ein eher simples Essen gab wie Würstchen mit Kartoffelsalat, wird heutzutage an allen drei Tagen geschlemmt und gesündigt, als gebe es kein Morgen. Oft bedingt dadurch, dass jeder den anderen mit seinem Festtagsmenü übertreffen will, ohne zu registrieren, dass es spätestens am dritten Tag kaum noch jemandem wirklich schmeckt, weil es insgesamt einfach viel zu viel war.

Muster ohne Ausweg

Ich habe ja oft das Gefühl, dass sich die Leute selbst komplett unter Druck setzen. Keiner möchte sagen “Wir hatten an Weihnachten leckeren Salat oder eine Gemüsepfanne.” Dem Besuch wird so etwas schon gar nicht vorgesetzt. Dabei könnte ich wetten, dass sehr viele sich genau darüber total freuen würden. Nur traut sich niemand, damit wirklich mal anzufangen. Dabei haben alle schon von allem mehr als genug, wenn die Feiertage anstehen, schließlich gab es Glühwein und Schmalzgebäck auf dem einen, Weihnachtsbier und Currywurst auf dem anderen Weihnachtsmarkt und dann noch den Adventskaffee mit Buttercremetorte bei Oma. Wer es da schafft, abzunehmen oder an eine strenge Diät nur zu denken – Respekt!

Die Sache mit der Bewegung

Du siehst, das sind schon mehr als genug einzelne Gründe, warum es uns so schwer fällt, im Winter abzunehmen. Dazu kommt aber dann noch das Bewegungsproblem! Wenn wir Spaß am Joggen, Schwimmen oder Radfahren haben, dann wenn es warm ist. Wer Tennis, Golf oder Fußball spielt, trainiert diese Sportarten als Hobbysportler oft auch nur von April bis Oktober. Außerdem bewegen wir uns im Garten – mit Gartenarbeit oder beim Spielen – wir laufen eher mal die kurzen Strecken, die wir sonst auch mit dem Auto fahren. Wir gehen auch viel eher mal ein bisschen spazieren, am Abend im Sonnenuntergang, am Strand im Urlaub oder auf dem Weg zu Freunden, die in der Nähe wohnen. Einzige Ausnahmen sind Wochen wie in diesem Jahr, in denen es ganz extrem warm ist.

Im Winter dagegen fallen viele Sportarten aus, zu anderen müssen wir uns deutlich mehr aufraffen. Wir fühlen uns insgesamt träge, sind häufiger müde, antriebs- oder lustlos. Das wiederum hat mit einem Mangel an Vitamin D zu tun, das wir vor allem durch die Sonne aufnehmen. Darum unbedingt im Winter wirklich jeden kleinsten Sonnenstrahl nutzen und vor die Tür an die frische Luft gehen – das sorgt für gute Laune und Motivation!

Das Ding mit der Selbstwahrnehmung

Als wäre das alles nicht schon schwer genug, können wir uns im Winter auch noch viel leichter selbst etwas vormachen. Wen interessiert bei Minusgraden schon die Bikini-Figur? Versteckt unter dicken Pullovern, Schals, Strickjacken oder Westen fallen ein paar überschüssige Kilos längst nicht so auf, und bis zum nächsten Sommer haben wir dann auch wieder Muße und Motivation, die Diät durchzuhalten. Blöd nur, dass bis dahin im schlimmsten Fall ja noch etliche Pfunde dazugekommen sind, die erst einmal runter müssen, bevor das davor schon existierende Übergewicht in Angriff genommen werden kann. Und schon dreht sich die Spirale wieder …

 

 

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